Forschung
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Hin zur afrikanischen Impfstoffproduktion?

Nur ein Prozent der in Afrika benötigten Impfstoffe wird auf dem afrikanischen Kontinent hergestellt. Die DEG unterstützt dabei, dass sich dies ändert

 Isabel Thywissen beschäftigt sich als Gesundheitsexpertin seit vielen Jahren bei der DEG mit der Finanzierung von Projekten im Gesundheitswesen.privat
Einige Entwicklungsbanken, darunter die Weltbanktochter IFC und die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft DEG, wollen die Impfstoffproduktion in Afrika fördern. Worum geht es genau?
Die IFC hat uns eingeladen, zusammen mit anderen Entwicklungsfinanzierern ein Projekt zur Impfstoffproduktion in Afrika zu finanzieren. Das machen wir gerne und sind gerade in letzten Abstimmungen. Bisher war es schwierig, ein privatwirtschaftliches Geschäftsmodell für die Impfstoffproduktion auf dem Kontinent aufzubauen. Das hat zur Folge, das heute nur ein Prozent der in Afrika benötigten Impfstoffe in Afrika hergestellt wird.

Wieso kein Geschäftsmodell? In Afrika war der Bedarf an Impfstoffen doch schon vor Corona sehr groß?
Ja, aber Unternehmen konnten sich bislang nicht sicher sein, dass sie ihre Produkte zu mindestens kostendeckenden Preisen absetzen können. Hinzu kommt, dass die Produktion von Impfstoffen sehr komplex ist, vor allem wenn man mit Lebendimpfstoffen arbeitet. Der Aufbau dauert normalerweise bis zu fünf Jahre. Und dann muss noch die anspruchsvolle Logistik für die Distribution stehen.

Gibt es in Afrika bereits Firmen, die Impfstoffe herstellen?
Es gibt einige kleinere Unternehmen, die unter anderem aus Forschungsinstituten hervorgegangen sind, etwa das Institut Pasteur in Dakar im Senegal. Weiterhin werden Impfstoffe in Südafrika, Tunesien und Ägypten hergestellt. Diese Produktionsstätten müssten aber deutlich vergrößert werden, um den Bedarf heute zu decken. Hier kommen wir als DEG mit langfristigen Finanzierungen ins Spiel. Bei einem bestehenden südafrikanischen Unternehmen geht es um die Umrüstung auf „fill and finish“: Vereinfacht gesagt füllt das Unternehmen den vom ausländischen Hersteller gelieferten Impfstoff mit dessen technischer Unterstützung in die Injektionsfläschchen und verpackt diese fachgerecht für die Verteilung.

Können deutsche Unternehmen etwas beitragen?
Ja, mit ihrem Know-how können sich deutsche Unternehmen vielfältig einbringen. Wir haben Finanzierungsmittel, mit denen wir die Zusammenarbeit zwischen deutschen und afrikanischen Unternehmen etwa bei der Fortbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder bei der Digitalisierung unterstützen. Es geht nicht nur um Pharmaunternehmen, sondern auch um die Hersteller von pharmazeutischen Geräten und Zusatzstoffen.

Wäre es für die Arbeit der DEG und der anderen Entwicklungsfinanzierer hilfreich, die Pharmaunternehmen würden die Baupläne für ihre Impfstoffe frei zur Verfügung stellen?
Das wäre natürlich gut, denn wir finanzieren vor allem kostengünstige Nachahmerpräparate, also Generika. Man muss sich aber im Einzelfall anschauen, was die Freigabe eines Patents bringt. Ohne Technologietransfer des Originalherstellers bringt es allein meistens nichts. Unser gemeinsames Ziel ist ja, ausreichend Impfstoffe für alle zu bekommen. Ich denke, das erreichen wir am besten über Kooperation.

Das Gespräch führte Tillmann Elliesen.

erschienen in Ausgabe 7 / 2021: Entwicklung wohin?

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