Covid-19 in Nigeria
 Sauerstoff ist Mangelware; einen der begehrten Behälter bringt ein Mitarbeiter eines Behandlungs­zentrums in Lagos zu den Kranken.

Pius Utomi Ekpei/AFP via Getty Images

Covid-19 in Nigeria

Auch viel Geld schützt nicht vor dem Virus

Nigeria erlebt eine dritte Corona-Welle. Schon in der zweiten konnten selbst manche Reiche kaum medizinische Behandlung ergattern – und viele Arme leben weiter, als gäbe es die Pandemie nicht.

Die Covid-19-Pandemie hat die Schwächen des nigerianischen Gesundheitssystems ans Licht gebracht. Angehörige der Eliten, die sich bis dahin für viel Geld im Ausland medizinisch behandeln ließen, konnten das mit einem Mal nicht mehr, wenn sie sich mit dem Virus angesteckt hatten. Sie mussten sich im Land behandeln lassen und viele erlebten zum ersten Mal die harte Realität der mangelhaften und überforderten nigerianischen Gesundheitsdienste, die sie bisher tunlichst gemieden hatten. 

Kein Krankenhaus wollte den Millionär aufnehmen

Als zum Beispiel der nigerianische Millionär Bolu Akin-Olugbade an Covid-19 erkrankte, konnte man ihn nicht ins Ausland fliegen. Der Anwalt und Geschäftsmann musste sich inländischen Ärzten anvertrauen. Als er in kritischem Zustand um Atem rang, fuhr ihn ein Krankenwagen zu einer Klinik in Lagos, die ihn trotz seines Zustands und seines gesellschaftlichen Ranges abwies. „Wir konnten kein freies Bett finden, alle Kliniken waren überfüllt“, erinnert sich sein älterer Bruder Sunmade Akin-Olugbade. Die Familie versuchte verzweifelt, ihn in einer privaten Klinik unterzubringen, aber auch das erwies sich als schwierig. Bevor die Klinik ihn aufnahm, verlangten die Verantwortlichen eine Kaution von rund 20.000 Euro. Erst als das Geld gezahlt und lebenswichtige Zeit verflossen war, nahm man ihn auf. Er starb im Januar. „Wenn selbst eine reiche und hochgestellte Person wie er kein Bett bekommen konnte, was meinen Sie, mit welcher Behandlung normale Bürger rechnen können?“, fragt Sunmade Akin-Olugbade bitter. 

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erschienen in Ausgabe 10 / 2021: Pfingstler auf dem Vormarsch

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