Ernährungssicherheit
Ernährungssicherheit

Recht auf Nahrung ist bedroht

Die Agrarindustrie hat zu großen Einfluss, Kleinbauern und Indigene werden zu wenig gehört: alles Gründe, warum das Recht auf Nahrung in vielen Teilen der Welt geschwächt wird, heißt es im Jahrbuch "Recht auf Ernährung".  

Pünktlich zum Welternährungstag am 16. Oktober hat das Global Network for the Right to Food and Nutrition, dem in Deutschland Brot für die Welt und Fian angehören, das Jahrbuch „Recht auf Nahrung“ herausgebracht.

Im diesjährigen Report beklagen die Autoren die falschen Ansätze zur Lösung der Hungerkrise. Schon der ebenfalls im Oktober veröffentlichte neue Welthunger-Index hat festgestellt, dass im Jahr 2020 weltweit 811 Millionen Menschen an chronischem Hunger gelitten haben, also umgerechnet jeder zehnte Erdenbürger. Die Zahl stieg im Vergleich zu 2019 (690 Millionen) auch durch die Corona-Pandemie. 

Das neue Jahrbuch identifiziert drei Hauptgründe dafür, dass die Zahl der hungernden Menschen seit sechs Jahren kontinuierlich steigt.  Vor allem in autoritär geführten Staaten beobachten die Autoren eine Schwächung der öffentlichen Institutionen, die eigentlich für Nahrungsmittelsicherheit und Hungerbekämpfung verantwortlich sind. Stattdessen würden Hunger und Unterernährung als individuelle Probleme gesehen. Gleichzeitig würden in diesen Ländern große Unternehmen, insbesondere im Agrarsektor, gestärkt. Zu sehen sei das zum Beispiel in Brasilien unter Präsident Jair Bolsonaro. 

Kleinbauern und Indigene werden zuwenig gehört

Darüber hinaus stellen die Autoren fest, dass auch durch den Einfluss der Agrarindustrie transformative Lösungsansätze wie etwa die Agrarökologie verhindert oder verwässert werden. Obwohl nach wie vor Kleinbauern, Fischer und Familienbetriebe das Gros der weltweiten Nahrungsmittel produzieren, werden deren jahrzehntelange Erfahrungen zu wenig gehört, beklagen die Autoren als dritten Punkt. Traditionelles bäuerliche Wissen, auch jenes von Indigenen, werde zugunsten industrienaher Forschung vernachlässigt, obwohl es relevant für politische Entscheidungen wäre. Zu sehen sei das etwa an der Science Group, einem UN-Expertengremium, das bei Entscheidungen des UN-Ernährungsgipfels die „Unabhängigkeit und Breite der Wissenschaft“ belegen soll. Hier sehen die Autoren einen Mangel an Transparenz und Diversitä tbei der Auswahl der Mitglieder dieses Gremiums und wie auch bei dessen Themen. Im Augenblick seien unter den Experten vor allem „weiße Männer aus dem globalen Norden“. 

Die Verteidigung und Stärkung öffentlicher Institutionen wäre deshalb nach Einschätzung der Autoren ein zentraler Beitrag zur Hungerbekämpfung. Staatliche Institutionen müssten dem Gemeinwohl dienen und nicht dem Interesse von Unternehmen. Dementsprechend müssen vor allem soziale Bewegungen und die Zivilgesellschaft unterscheiden, ob vermeintliche Lösungen tatsächlich das Gemeinwohl stärken, die Umwelt schützen und Ungleichheiten reduzieren oder ob sich dahinter vor allem Konzerninteressen und Profitsteigerungen verbergen. Außerdem müssten bei der Lösung der Probleme viel stärker das diverse Wissen der unterschiedlichen Kulturen und der betroffenen Menschen vor Ort einfließen. (mek) 

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