Afrika - Europa
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Nicht auf die Chinesen starren

Brüssel will mehr Geld für eine grüne Stromversorgung in Afrika bereitstellen. Das bringt Chancen für Afrika – aber nur, wenn Europa sich nicht auf die Konkurrenz zu China fixiert, sagt eine neue Studie.

Die Europäische Union möchte beitragen, in Afrika die Stromversorgung aus erneuerbaren Energien auszubauen. Das soll nicht nur dem Kontinent helfen, bei der Entwicklung die fossile Phase zu überspringen, sondern auch den Verkauf der europäischen Energietechnik in Afrika fördern. Und nicht zuletzt ist es für Brüssel ein Mittel, China in Afrika Paroli zu bieten. Doch das ist der falsche Ansatz, erklärt die Denkfabrik ECDPM in einer neuen Studie

Die europäischen und chinesischen Investitionen im Energiesektor Afrikas stehen demnach wegen ganz unterschiedlicher Geschäftsmodelle nur wenig in Konkurrenz. Die EU versuche meist, mit öffentlicher Förderung private Investitionen anzuregen, und lege einen Schwerpunkt auf dezentrale Versorgung. China hingegen habe vor allem an Staaten Kredite für Großvorhaben vergeben, nicht zuletzt fossile Kraftwerke, Wasserkraft und Netzinfrastruktur.

Chinesische und europäische Ansätze könnten sich ergänzen

Laut der Studie nähern sich beide Modelle nun einander an. Peking richte Investitionen in Afrika – deren Volumen infolge von Corona deutlich gesunken sei – jetzt stärker an ökologischen Kriterien aus und wolle zum Beispiel keine Kohlekraft mehr finanzieren; es werde aber versuchen, in Afrika Rohstoffe für seine Batterie- und Photovoltaik-Industrie zu sichern. Die EU wiederum sehe zunehmend Investitionen in Afrika als Beitrag zum Aufbau einer regional integrierten „grünen“ Energieversorgung zu Hause. 

Beide Ansätze können laut ECDPM mehr in Wettbewerb geraten. Aber sie können sich auch gut ergänzen, zumal der hohe Bedarf in Afrika Raum lasse für Projekte aller Anbieter. Die EU, rät das ECDPM, solle sich von der Fixierung auf die Konkurrenz mit China lösen und darauf achten, dass ihre Projekte dem Bedürfnis afrikanischer Länder nach Lösungen entsprechen, die schnell und in großem Maßstab umsetzbar sind. Sie solle ihre Angebote bündeln und darauf achten, dass Energietechnik auch in Afrika produziert wird und Jobs schafft. Wenn sich chinesische und europäische Programme ergänzten, sei das eine Chance, die nachhaltige Stromversorgung in Afrika voranzubringen.

erschienen in Ausgabe 3 / 2022: Tod und Trauer

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