Fünf Fragen
Fünf Fragen

"Viel Kontakt zu den Menschen vor Ort"

Fünf Fragen an Katrin Jullien, Leiterin des Büros der Diakonie Katastrophenhilfe in Nairobi.

 Katrin Julien leitet das Regionalbüro Nairobi der Diakonie Katastrophenhilfe.Hermann Bredehorst/Diakonie Katastrophenhilfe
Was ist Ihre Aufgabe im Regionalbüro?
Wir unterstützen humanitäre Hilfsaktionen der Diakonie in Ostafrika zusammen mit unseren Partnern vor Ort. Da geht es beispielsweise in Kenia um Unterstützung angesichts von Dürren, in Äthiopien um Hilfe für Vertriebene aus Tigray, in Somalia um die Heuschreckenplage oder im Sudan um Hilfe für Menschen, die nach Jahren des Konflikts zurückkehren und versuchen, sich wieder eine Lebensgrundlage aufzubauen.

Wie kurzfristig ist „Katastrophenhilfe“?
Unser humanitäres Mandat umfasst nicht nur akute Nothilfe, sondern auch „Relief“, also Erholung und Wiederaufbau und damit ein längerfristiges Ziel. In Ostafrika sind wir schon seit vielen Jahren präsent. Zu unserer Aufgabe gehört auch die Stärkung von Resilienz, um vor einer möglichen nächsten Krise besser gewappnet zu sein. 

Wie stärken Sie in einer Krisenregion Resilienz?
Zum Beispiel, indem wir Menschen Möglichkeiten zeigen und sie dabei unterstützen, ihre Einkommensquellen zu diversifizieren – etwa dadurch, dass sie neben Ackerbau oder Viehhaltung noch ein Handwerk erlernen. Oder auch indem sie Feldfrüchte anbauen, um die sie sich bislang nicht bemüht haben und die mit möglichen Dürren oder Überschwemmungen erfahrungsgemäß besser klarkommen. Wichtig ist auch die Anpassung der Größe der Viehherden an eine aufkommende Dürre. Der Verkauf von Vieh vor der Dürre sichert einen höheren Erlös als während der Dürre, wenn das Vieh abgemagert ist oder gar verendet. Vieh ist DIE Lebensgrundlage für viele Menschen im Norden und Osten Kenias, Südsudan und Teilen Äthiopiens.

Wie sind Sie persönlich zu Ihrer Tätigkeit gekommen?
Ich habe Ethnologie studiert und danach zunächst im EU-Projektmanagement und bei Ärzte ohne Grenzen gearbeitet. 2012 habe ich bei der Diakonie Katastrophenhilfe in Berlin angefangen, in Nairobi bin ich nun seit zwei Jahren. Ich bin hier sehr gerne, weil ich viele interessante Menschen treffe und die Arbeit sehr abwechslungsreich ist. 

Leben internationale Arbeitskräfte in Nairobi in einer „Blase“ ausländischer Helfer?
Nairobi ist eine moderne Stadt, in der man alles haben kann, was es auch in Berlin gibt. Es gibt eine gut sichtbare Mittelschicht. Es ist auch nicht so, dass Europäer sich aus Sicherheitsgründen abschotten müssten – auch wenn einige das vielleicht tun. Ich selbst habe viel Kontakt zu den Menschen vor Ort – über meine Kollegen und auch über meinen Mann, der Kenianer ist. 

Das Gespräch führte Barbara Erbe.

erschienen in Ausgabe 4 / 2022: Streiten für die Menschenrechte

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