Afghanistan
afghanistan1.jpgEin Taliban-Kämpfer bewacht die Reste der Buddha-Statuen von ­Bamiyan. Die Standbilder haben die Extremisten 2001 zerstört, heute sollen sie wieder Touristen anlocken.

Emran Feroz

Afghanistan

Das größte Problem ist die Armut

Die afghanische Provinz Bamiyan mit ihrer schiitischen Minderheit hat während des Krieges besonders unter den Taliban gelitten. Doch auch von deren Gegnern fühlen die Menschen dort sich im Stich gelassen.

„Bamiyan hat die besten Kartoffeln!“, sagt Hassan Fasihi voller Stolz, während er Shorwa, afghanischen Eintopf, serviert. Das Gericht gehört zu den bekanntesten der afghanischen Küche und besteht aus Hammelfleisch, mehreren Gemüsesorten und einer gehörigen Portion Brot, die in die Brühe getunkt wird. Tatsächlich sind hier in Bamiyan die Kartoffeln nicht nur größer als anderswo in Afghanistan, sie schmecken auch besser. Sie werden in der ganzen Provinz angebaut und Fasihi hofft, dass sie eines Tages ins Ausland exportiert werden. 

Sein Optimismus vergeht allerdings, sobald es um die neuen Machthaber geht. Wie das ganze Land wird auch diese Region seit dem letzten Sommer von den militant-islamistischen Taliban regiert. Hier in Bamiyan haben die Extremisten der Zivilbevölkerung besonders viel Leid zugefügt. Denn bis heute wird die Provinz mehrheitlich von Angehörigen der Hazara-Minderheit bewohnt. Im Gegensatz zu den sunnitischen Taliban sind die meisten Hazara Anhänger des schiitischen Islam. Viele von ihnen gehörten einst Fraktionen an, die die Taliban bekämpften, etwa der im August gestürzten republikanischen Armee oder Hazara-Milizen. 

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erschienen in Ausgabe 7 / 2022: Das Zeug für den grünen Aufbruch

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