Der Fonds namens Tropical Forest Investment Fund (TFIF) ist der zentrale Bestandteil der Tropical Forest Forever Facility (TFFF), einer brasilianischen Initiative, die dauerhaft Geld für den Schutz der Tropenwälder bereitstellen soll. Länder mit viel Wald sollen dafür bezahlt werden, dass sie auf dessen Vernichtung und die kurzfristigen Einnahmen daraus verzichten. Da angesichts von Mittelkürzungen kein Verlass auf die Geberländer ist, soll dies durch Anlagen am Kapitalmarkt auf Dauer sichergestellt werden.
Wie soll das funktionieren? Laut der Concept Note der Facility sollen Geberländer und philanthropische Stiftungen 25 Milliarden US-Dollar und private Investoren, vor allem Pensionsfonds und Vermögensverwaltungen, 100 Milliarden Dollar in den Fonds einlegen. Die insgesamt 125 Milliarden Dollar sollen in Staats- und Unternehmensanleihen von Schwellen- und Entwicklungsländern investiert werden. Die müssen, wenn sie mit Anleihen Kapital aufnehmen, am internationalen Kapitalmarkt zum Teil hohe Risikoaufschläge zahlen, weil die Anlage als riskant gilt. Daher sind die Zinseinnahmen hoch: Die Initiatoren des Fonds gehen von 8,3 Prozent im Jahr aus, das brächte jährlich 10,4 Milliarden Dollar.
Schwellen- und Entwicklungsländer kommen für den Waldschutz auf
Das Risiko von Zahlungsausfällen übernehmen die Geberländer. So wird die Anlage für private Investoren sicherer und alle Einleger sollen durchschnittlich nur 5,3 Prozent oder 6,6 Milliarden Dollar im Jahr Zinsen erhalten. Abzüglich der Managementkosten und Provisionen ergibt das einen Überschuss von bis zu 3,4 Milliarden Dollar pro Jahr, der für Auszahlungen an Tropenwaldländer genutzt werden kann. Den Geberländern wird nach zehn Jahren eine über 30 Jahre gestreckte Rückzahlung der bereitgestellten Mittel in Aussicht gestellt.
Letztlich kommen also am internationalen Kapitalmarkt verschuldete Schwellen- und Entwicklungsländer mit ihren hohen Zinszahlungen für den Tropenwaldschutz auf. Es wird sogar diskutiert, die Zahlungen des Fonds an Tropenwaldländer oder gar einen Teil der Investitionen des Fonds in Anleihen als öffentliche Entwicklungshilfe anzurechnen. Soweit die vom Fonds erworbenen Anleihen Klimaschutz- und Nachhaltigkeitskriterien genügen, sollen sie darüber hinaus als Klimafinanzierung gelten.
Autor
Georg Schäfer
ist Experte für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Beschäftigungsförderung und Armutsbekämpfung. Er war lange in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit tätig.Auch die Verwendung des Geldes ist problematisch. Gegenwärtig gibt es 74 Länder mit Tropenwald von insgesamt 1,1 bis 1,3 Milliarden Hektar und einer jährlichen Entwaldung von 3,6 bis 7,7 Millionen Hektar je nach Datenquelle. Diejenigen, in denen die jährliche Entwaldungsrate unter 0,5 Prozent der Waldfläche liegt, sollen aus den Überschüssen des Fonds pro Hektar Tropenwald, der erhalten oder wiederhergestellt wurde, jedes Jahr etwa vier Dollar bekommen. Berücksichtigt werden Waldflächen mit einer Kronenbedeckung von mindestens 20 bis 30 Prozent.
Zahlungen sind erfolgsabhängig
Die Empfängerländer müssen ein angemessenes öffentliches Finanzmanagement sowie Politiken zum Tropenwaldschutz nachweisen und garantieren, dass sie ihre Eigenanstrengungen nicht zurückfahren. Die Zahlungen sind erfolgsabhängig: Für jeden Hektar, der im abgelaufenen Jahr entwaldet wurde, sollen 100 bis 200 Hektar von der Waldfläche des Landes abgezogen werden, für die der Fonds zahlt. Pro Hektar degradierter Fläche werden 35 Hektar abgezogen. Grundlage dafür sind Satellitenbildauswertungen. Wenn zum Beispiel ein Land 1 Million Hektar Tropenwald hat, erhält es ohne Entwaldung und Degradierung 4 Millionen Dollar jährlich aus dem Fonds. Wurden aber im Vorjahr 1000 Hektar entwaldet und weitere 1000 Hektar degradiert, dann werden 100.000 plus 35.000 Hektar abgezogen und das Land erhält im laufenden Jahr nur für 865.000 Hektar Zahlungen aus dem Fonds – also 3,46 Millionen Dollar, ein Abzug von 0,54 Millionen.
Das soll einen Anreiz gegen Entwaldung und Degradierung setzen. Aber es bleibt offen, ob die Empfängerländer deren strukturelle Ursachen angehen wie Ausweitung von Agrarland, gewerblicher Holzeinschlag, Rohstoffabbau und Infrastrukturprojekte. Auch die Importländer von Holz, Rindfleisch, Soja und Rohstoffen werden hier nicht in die Pflicht genommen. Und als Entwaldung gilt nur, wenn in geschlossenen Tropenwäldern die Kronenbedeckung durch selektiven Holzeinschlag auf unter 20 bis 30 Prozent verringert wird. Das kann dazu führen, dass bis knapp darüber Bäume gefällt werden, ohne dass der Fonds seine Zahlungen kürzt. Dieser Fehlanreiz sollte dringend beseitigt werden. Und bei den Abzügen für degradierte Flächen werden nur Feuerschäden erfasst, keine anderen Ursachen.
Die Empfängerländer müssen mindestens ein Fünftel der erhaltenen Zahlungen an indigene Völker und lokale Gemeinschaften im Wald weiterleiten. Warum es nicht mehr ist, bleibt unklar – sie halten und managen über die Hälfte der intakten Waldflächen weltweit. Für diese Gruppen wäre es wichtiger, die von ihnen bewohnten und genutzten Waldflächen wirksam vor dem Eindringen etwa von Viehzüchtern und Goldgräbern zu schützen.
Drei Milliarden für Tropenwaldschutz reichen nicht
Bei der heutigen Lage der Tropenwälder führen vier Dollar pro Hektar zu einer jährlichen Gesamtzahlung von 2,8 Milliarden Dollar an die Tropenwaldländer; der Rest der 3,4 Milliarden Dollar wird für Anpassungen des Zahlungsbetrags pro Hektar an die Inflation und für spätere Rückzahlungen an die Geberländer einbehalten. Es überrascht, dass zusätzliche knapp drei Milliarden Dollar pro Jahr ausreichen sollen, um den Tropenwaldschutz in 74 Ländern sicherzustellen. Wenn dem so wäre, sollte die klassische Entwicklungszusammenarbeit und die schon vereinbarte internationale Klimafinanzierung diesen Betrag auch ohne komplexe Fondskonstruktion aufbringen können.
Problematisch ist auch die komplizierte Verwaltungsstruktur der Facility und des Fonds. Beide haben einen Vorstand und mehrere weitere Gremien, teils bei der Weltbank; der Fonds soll diverse spezialisierte Firmen für das Management der Investments einschalten. Der Vorstand des Fonds soll nur von den Geberländern benannt werden. Hier wird eine neue Förderbürokratie mit weitreichenden Verwaltungsanforderungen für die Empfänger geschaffen, statt vorhandene Strukturen und Verfahren der Entwicklungs- und Klimafinanzierung zu nutzen.
Besser wäre ein direkter Mitteltransfer
Es gibt außerdem bereits einen globalen Finanzmechanismus für Waldschutz: Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation (REDD+). Zwar stehen hier Wiederaufforstung und die Bindung von Kohlenstoff im Vordergrund, nicht wie beim Tropenwaldfonds die gesamten Ökosystemdienstleistungen. Und die Finanzierung von REDD+ über Kohlenstoffzertifikate steckt wegen intransparenter Projekte in einer schweren Vertrauenskrise. Aber statt diese Probleme zu beheben, wird ein neuer Finanzierungsmechanismus aus der Taufe gehoben, der die internationale Förderlandschaft noch unübersichtlicher macht.
Es muss bezweifelt werden, dass der Tropenwaldfonds der erhoffte Befreiungsschlag für den Tropenwaldschutz ist. Er wird vor allem Investmentbanker und Vermögensverwalter erfreuen. Besser wäre ein direkter Mitteltransfer von Geber- an Tropenwaldländer mit klaren Verpflichtungen auf beiden Seiten, die Ursachen der Tropenwaldzerstörung zu bekämpfen.
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