Das vollständige Interview lesen Sie beim Magazin Südostasien.
südostasien: Wie hast du es erlebt, queer in Brunei aufzuwachsen?
Kuro Roi: Bei einer Google-Suche nach Brunei und der LGBTQIA+-Community tauchen vor allem Ergebnisse zur Scharia und dazu auf, wie dort Menschen gesteinigt werden. Menschen sind zwar aufgrund der gesetzlichen Vorschriften vorsichtiger, was ihr Verhalten und ihre Äußerungen angeht. Aber es ist nicht so, dass Menschen gesteinigt oder ihnen die Hände abgehackt werden.
Einerseits sind wir vorsichtig und haben gelernt, uns selbst zu zensieren, noch bevor wir etwas überhaupt ausgesprochen haben. Das sagt uns zwar niemand explizit, aber es gibt gesellschaftliche Kommentare und Sichtweisen, was eine Belastung sein kann. Es ist nicht direkt verletzend, aber es beschäftigt einen im Kopf. Der Gedanke „Oh, so sollte ich eigentlich nicht sein“ ist immer da. Persönlich stört es mich nicht, denn ich achte nicht darauf, was andere sagen.
Zugleich ist es ermutigend zu sehen, dass immer mehr Menschen sich frei ausdrücken können und dass auch Menschen, die nicht zur Queer-Community gehören, ihnen diesen Raum geben.
Das gilt auch für heterosexuelle Menschen: Wie ermöglichen sie es anderen, diesen Raum zu haben? Denn viele kennen kaum Menschen der queeren Community und wissen nicht, dass sie auch einen mentalen Einfluss haben. Ich versuche durch Gespräche und künstlerischen Ausdruck Bewusstsein zu schaffen.
Kuro Roi ist Geschäftsleiter bei einer kreativen Marketingagentur in Brunei, die internationale und nationale Kunden betreut. Außerdem ist er Kurator, Künstler und Menschenrechtsaktivist. Sein Engagement steht im Zusammenhang mit indigenen Völkern sowie marginalisierten Bevölkerungsgruppen, zum Beispiel Wanderarbeiter: innen, von Landraub Betroffene, Menschen mit Behinderung sowie Staatenlose und Angehörige der LGBTQIA+- Gemeinschaft.
Neuen Kommentar hinzufügen