Eine „neue Ära für nachhaltige Investitionen“ soll das Unternehmen SCALED Development bringen, das im Juni auf der Hamburg Sustainability Conference mit dieser Plakataufschrift aus der Taufe gehoben wurde. Es gründet auf der bereits im vergangenen Jahr von sechs Ländern gegründeten SCALED-Initiative und soll effizient und unbürokratisch öffentliches und privates Kapital für entwicklungspolitisch sinnvolle Investitionen in Ländern des globalen Südens bündeln. Getragen wird die SCALED GmbH zunächst von Deutschland und Kanada, die anderen vier an der gleichnamigen Initiative beteiligten Länder Dänemark, Frankreich, Großbritannien und Südafrika sehen offenbar erst einmal zu.
Öffentliche und private Mittel zu mischen, im Jargon „Blended Finance“, steht seit der dritten UN-Konferenz über Entwicklungsfinanzierung 2015 in Addis Abeba weit oben auf der entwicklungspolitischen Tagesordnung. Privatkapital soll für den Ausbau von Infrastruktur wie Straßen sowie Wasser- und Stromversorgung in Entwicklungs- und Schwellenländern mobilisiert werden, indem etwa Investitionsrisiken mit Steuergeldern abgesichert werden. Allerdings haben Fachleute nach der vierten UN-Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung 2025 in Sevilla ernüchtert festgestellt, dass seit 2015 der von Blended Finance bewirkte Geldregen längst nicht so stark gewesen ist wie erhofft. Zudem fließt ein Großteil in Länder mit mittlerem Einkommen, während die ärmsten Länder in den Jahren 2012 bis 2018 laut dem Geberländerclub OECD nur sechs Prozent des mit Hilfe öffentlicher Entwicklungsleistungen (ODA) mobilisierten Privatkapitals erhalten haben.
Jedes Mal wird das Rad neu erfunden
Dass Blended Finance bislang „ein Nischenmarkt“ geblieben ist, erklärt ein Leitfaden der OECD damit, dass das Rad jedes Mal neu erfunden wird. Die Instrumente, mit denen privates und öffentliches Geld gemischt wird – meist Investmentfonds –, seien jeweils nach eigenen Regeln „maßgeschneidert“. Die Geber, ihre Entwicklungsfinanzierer wie die deutsche DEG und multilaterale Entwicklungsbanken arbeiteten zu wenig zusammen. Jeder Fonds werde individuell gestaltet, die Bedingungen würden stets neu verhandelt. Jeder Geber hat eigene Regeln für die Vergabe von Haushaltsmitteln, etwa Umwelt- und Sozialstandards sowie Wirkungskriterien, jeder private Großanleger wiederum eigene Messlatten für die Risikominimierung und die Rendite.
SCALED soll nun Geber und Investoren einfacher zusammenzubringen, indem es für risikoscheue Anleger standardisierte Finanzinstrumente anbietet, die in weniger entwickelten Ländern entwicklungspolitisch sinnvolle Investitionen auf den Weg bringen. Auf diese Weise sollen Blaupausen für Anlageprodukte geschaffen werden, die zu 70 bis 80 Prozent wiederverwendbar sind und so Zeit und Geld sparen, erläutert Martin Ewald von der Allianz-Versicherung, die mit der Zurich Insurance Group einer der privaten Partner der SCALED GmbH ist: „Als würde der Markt von Maßanfertigungen zu hochwertiger Konfektionskleidung übergehen.“
Die Vorteile, die Produkte von der Stange für Pensionsfonds oder Vermögensverwalter wie Blackrock bieten, liegen besonders in geringeren und besser absehbaren Ausfallrisiken. Udo Riese von Allianz Investment Management sagt, es sei ein Durchbruch, wenn bei SCALED beteiligte Regierungen erstmals mit einem einheitlichen Puffer für Ausfälle einstehen, etwa für den Bau von Windkraftfarmen in Kenia, der riskanter ist als in Spanien. Wenn es gelinge, das Interesse an Entwicklungswirkungen besser mit kommerziellen Interessen zu verknüpfen, könne an Nachhaltigkeit orientierte Entwicklungsfinanzierung aus der Nische treten und zu einer attraktiven Anlageklasse für private Investoren werden.
Die KfW Entwicklungsbank verspricht sich voll von dem neuen Werkzeug
Die KfW Entwicklungsbank, die mit dem kanadischen Pendant CanDev ein Gründungspartner von SCALED ist, verspricht sich viel von der Neuerung: „SCALED ist die erste öffentlich-private Initiative ihrer Art, die Investitionen in Entwicklungsländer nicht Deal für Deal, sondern über einen gemeinsamen Standard mobilisiert“, sagt die Abteilungsleiterin Beteiligungen, Stefanie Lindemann-Kohrs. „Vergleichbare Strukturen, vergleichbare Kennzahlen – das senkt die Einstiegshürde für institutionelle Investoren und macht Mobilisierung in großem Maßstab überhaupt erst möglich.“
Innerhalb von drei Jahren soll SCALED zwei öffentlich-private Fonds pro Jahr an den Start bringen. So definiert Geschäftsführer Martin Ewald das Ziel. Das dort angelegte Kapital solle Projekte und Endkreditnehmer idealerweise in zweieinhalb Jahren erreichen statt wie in bisherigen Blended-Finance-Instrumenten häufig erst in fünf Jahren.
Manche Fachleute halten es trotz des öffentlichkeitswirksamen Starts von SCALED für zu früh zum Feiern. Bei der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch wird der Ansatz der Standardisierung begrüßt, weil er einige Hürden für Blended-Finance-Fonds senken könne. Allerdings könnten in den ärmsten Ländern solche Fonds die drastisch gekürzte öffentliche Entwicklungs- und Klimafinanzierung auch weiterhin nicht ersetzen. Bei der Verteilung von Risiken und Gewinnen müsse deshalb darauf geachtet werden, dass öffentliche Mittel für die Entwicklungsfinanzierung nicht vor allem private Renditen absicherten, statt entwicklungsfördernd zu wirken. SCALED könne ein Baustein sein, um mehr privates Kapital für nachhaltige Entwicklung zu mobilisieren, so die Fachleute von Germanwatch. Aber viele Probleme von Blended Finance blieben bestehen.

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