Niemand steht am Pranger

Am 30. November findet in Bayern der 7. Runde Tisch zum Thema Sozial- und Umweltstandards bei Unternehmen statt. Im Bayerischen Arbeitsministerium treffen sich Vertreter von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zum Austausch über die ethische Verantwortung in der globalen Produktions- und Lieferkette von Unternehmen.

Eingeladen hat das Eine-Welt Netzwerk Bayern, das seit 2006 diesen Dialog mit der Wirtschaft regelmäßig führt. Die Runden Tische funktionieren nach dem Prinzip Vertrauen und Dialog, sagt Alexander Fonari vom Eine Welt Netzwerk Bayern. Ziel ist es, Unternehmen vorzustellen, die etwas vorzuweisen haben, niemand wird an den Pranger gestellt.

Unternehmensverantwortung oder Corporate Social Responsability ist in aller Munde. Die europäische Komission hat in 2011 ihre „neue EU-Strategie für die soziale Verantwortung der Unternehmen“ herausgegeben. Die Bundesregierung hat 2010 einen „Nationalen Aktionsplan CSR“ verabschiedet, mit dem sie Unternehmen freiwillig für das Thema gewinnen will.

Auch die Eine-Welt-Netzwerke, Vereinigungen von entwicklungspolitischen Gruppen und Organisationen in den einzelnen Bundesländern, suchen nach dem Vorbild Bayern das Gespräch über die Verantwortung der Unternehmen für Arbeitnehmer und Umwelt in den Ländern des globalen Südens.

In Hessen fiel der Dialog mangels Interesse der Wirtschaft aus

Hessen hat in 2011 zum ersten Mal zum Runden Tisch eingeladen, der Auftakt für eine regelmäßige Beschäftigung mit dem Thema sein sollte.  Aber das Unterfangen ist mühsam. In 2012 kam ein Gespräch zwischen Zivilgesellschaft, Politik und Gesellschaft aus mangelndem Interesse der Wirtschaft nicht zustande, für 2013 ist ein neuer Anlauf geplant.

Rheinland-Pfalz steht ebenfalls noch am Anfang. In diesem Jahr wurde ebenfalls ein Fachgespräch zu Sozial- und Umweltstandards bei Unternehmen im Bundesland organisiert, bei dem sich vor allem die beiden ausgezeichneten Unternehmen Memo AG, ein Online-Hersteller von Büroartikeln, und die Firma Werner und Mertz, Hersteller der „Frosch“-Produkte, vorstellten. 

Auch die staatliche Entwicklungszusammenarbeit setzt auf den Dialog mit der Wirtschaft. Seit zehn Jahren lädt die GIZ zum Runden Tisch über Verhaltenscodices ein, an dem neben Unternehmen auch nichtstaatliche Organisationen wie Misereor, Oxfam, Terre des hommes oder die Gewerkschaft Verdi teilnehmen. Im Fokus steht vor allem die Textilbranche, während hochgradig arbeitsteilige Branchen wie die Informationstechnologie oder die Autoindustrie bis jetzt noch weitgehend außen vor sind.

Alle Runden Tische basieren auf dem Prinzip Freiwilligkeit. Doch das ist umstritten. Schwarze Schafe wie der Textil-Discounter Kik diskutieren zwar mit der Zivilgesellschaft, ohne aber ernsthafte Konsequenzen zu ziehen. Gerade erst sind beim Brand bei einem Kik-Zulieferer in  Pakistan über 300 Arbeiter wegen unzureichenden Brandschutzes ums Leben gekommen.

Kritiker wie Berndt Hinzmann von der Kampagne für Saubere Kleidung monieren, dass sich die Unternehmen durch CSR mit Imageprojekten schmücken können, ohne ihrer Verantwortung wirklich gerecht zu werden. Hinzmann fordert deshalb eine gesetzlich verbindliche Rechenschaftspflicht entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die EU-Komission hat in 2011 eine Rechtsvorschrift zur verbindlichen Offenlegungspflicht für Unternehmen zwar angekündigt, bis jetzt aber noch nicht erlassen.

Erfolg: Puma verwendet faire Baumwolle aus Afrika für Sportbekleidung

Für Alexander Fonari vom Eine Welt Netzwerk Bayern kann der Runde Tisch durchaus auf Erfolge verweisen. „Konkrete Ergebnisse sind oft schwer zu messen“, sagt Fonari, „aber wir sorgen immerhin dafür, dass das Thema öffentlich diskutiert wird. In der Vergangenheit war das überhaupt kein Thema.“ Ein Ergebnis ist auch der Einstieg des bayerischen Sportartikelherstellers Puma in die Herstellung fair gehandelter Produkte. Seit 2008 gibt es fair gehandelte Fußbälle und im Frühjahr 2012 präsentierte Puma seine Wilderness Collection, die zunächst zu 75 Prozent und ab 2013 dann ausschließlich aus afrikanischer Fairtrade-Baumwolle hergestellt wird.

Allerdings schließt auch Fonari nicht aus, dass die Mitgliedsgruppen des Netzwerks neben dem öffentlichen Dialog auch dazu aufgefordert werden, sich an Kampagnen  gegen einzelne bayerische Unternehmen zu beteiligen. Jüngstes Beispiel ist die Münchner Rück. Der weltweit größte Rückversicherer ist wegen der Versicherung einiger  Bauabschnitte beim geplanten Riesen-Staudamm Belo Monte im brasilianischen Amazonasgebiet in die Kritik geraten. Im März 2012 wurde der Konzern wegen der befürchteten Folgen des Staudamms für Anwohner und Umwelt aus dem Nachhaltigkeitsindex Global Challenges ausgeschlossen.

Der Dialog mit den Unternehmen ist wichtig, ausreichen wird er wohl alleine nicht. Es braucht im Zweifelsfall auch den öffentlichen Druck und verbindliche Regeln für eine verantwortliches Wirtschaften durch die Politik.

Claudia Mende

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