Hunger ist kein Geschäft

(18.1.2013) Anlässlich der Grünen Woche in Berlin haben mehrere Hilfswerke und Entwicklungsorganisationen vor der wachsenden Macht der Agrar- und Lebensmittelindustrie gewarnt. Deren Versprechen, mit ihren Geschäften in Entwicklungsländern zur Ernährungssicherung beizutragen, habe sich bislang nicht erfüllt. Stattdessen sollte die Politik den Fokus auf die weltweit 500 Millionen Kleinbauern richten.

In ihrer Studie „Tipping the balance“ räumen Oxfam und das International Institute for Environment and Development (IIED) zwar ein, dass private Investitionen die Landwirtschaft und den Handel in ärmeren Ländern anschieben könnten – der Beitrag zur Ernährungssicherheit sei aber oft gering.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen das Hilfswerk Misereor und das  Forum Umwelt und Entwicklung in ihrem Bericht „Business Case Hungerbekämpfung“. Darin werden unter anderem die Risiken und Möglichkeiten sogenannter „inklusiver Geschäftsmodelle“ diskutiert, bei denen große Handelskonzerne Lieferverträge mit Kleinproduzenten abschließen. Das verschaffe manchen Kleinbauern zwar Zugang zu neuen Absatzmärkten, die Großhändler würden den Lieferanten aber oft zu wenig bezahlen und den Preisdruck nach unten weitergeben, so die Autoren der Studie. Zudem müssten die Bauern in ihre Produktion investieren, um die hohen Qualitätsanforderungen und Hygienestandards der Supermarktketten zu erfüllen. Hierzu fehle es den allermeisten an Geld und dem nötigen Wissen.

Die Geberländer sollten ihre Strategie in der Armutsbekämpfung überdenken

Damit „inklusive Geschäftsmodelle“ zur Ernährungssicherungen beitragen könnten, müsste die Verhandlungsposition der Kleinbauern gestärkt werden, zudem seien günstigere Rahmenbedingungen für bäuerliche Investitionen notwendig. 
Unisono fordern beide Studien eine stärkere lokale Ausrichtung der Agrarpolitik. Diese habe sich bislang zu sehr darum bemüht, durch die Vergabe günstiger Landflächen Großinvestoren anzulocken und die Agrarmärkte nach den Vorgaben der Unternehmen auszurichten. So hätten Äthiopien und Mosambik auf Druck internationaler Agrarkonzerne den Handel mit Agrarrohstoffen formalisiert und den freien Austausch von Saatgut verboten. Stattdessen sollte die Politik den lokalen, informellen Handel stärken und Kleinbauern den Zugang zu Land und Wasser gewährleisten. 

Auch die Geberländer sollten ihre Strategie in der Armutsbekämpfung überdenken. „Es ist beunruhigend, wenn auch die deutsche Bundesregierung Agrobusiness mit Hungerbekämpfung gleichsetzt und die Agrar- und Lebensmittelkonzerne in diesem "Geschäft" unterstützt", sagt Benjamin Luig von Misereor. Stattdessen forciert das Entwicklungsministerium mit der Deutschen Initiative für Agrarwirtschaft und Ernährung (DIAE) die Einbindung privater Unternehmen bei der globalen Ernährungssicherung. 

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