Sammeln für das Klima

Mit einem Fonds namens „Klima-Kollekte“ wollen die evangelische Kirche sowie Hilfswerke wie „Brot für die Welt“ und der Evangelische Entwicklungsdienst künftig am Markt mit CO2-Zertifikaten zur Kompensation von Treibhausgasemissionen teilhaben. Die Erlöse fließen in kirchlich geförderte Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern.

Die Klima-Kollekte ziele darauf ab, Organisationen und Kirchengemeinden, aber auch Einzelpersonen für den Ausgleich „unvermeidbarer CO2-Emissionen“ zu gewinnen, erklärte der EKD-Ratsvorsitzende Präses Nikolaus Schneider bei der Vorstellung der Initiative in Berlin. Mit dieser freiwilligen Kompensation sollen Klimaschutzprojekte dort gefördert werden, wo die Menschen der Solidarität am meisten bedürfen und wo die Auswirkungen des Klimawandels besonders spürbar sind: unter den Armen in Entwicklungsländern und in Osteuropa, sagte Cornelia Füllkrug-Weitzel, Direktorin von Brot für die Welt.

Autor

Johannes Schradi

war bis Frühjahr 2013 Berlin-Korrespondent von „welt-sichten“.

Wer seinen individuellen Treibhausgasausstoß und den Preis der Kompensation ermitteln will, findet unter www.klima-kollekte.de einen CO2-Rechner – etwa für den persönlichen Stromverbrauch, für Auto- und Flugreisen, für den Papierverbrauch oder für Veranstaltungen. Die Initiative gleicht anderen Kompensationsanbietern wie Atmosfair, kann im Unterschied zu diesen aber bei der Verwendung der Einnahmen auf die Partnerorganisationen der kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit zurückgreifen.

Ein Beispiel sind Projekte der Organisation Reds in Indien. Über sie sollen mit Geld aus der Kollekte solarbetriebene Lampen für Hütten und Häuser in Gemeinden der ausgegrenzten Bevölkerungsgruppe der „Unberührbaren“ (Dalits) bezahlt werden. Anderswo soll neben der Verbreitung von Sparlampen und dem Einsatz energieeffizienter Kochgeräte der Bau von kleinen Biogasanlagen und Wasserkraftwerken gefördert werden –alles Projekte für den Klimaschutz auf lokaler Ebene, die es der Bevölkerung ermöglichen, eingespartes Geld künftig in Nahrung, Bildung und Gesundheit zu investieren.

Das Geld fließt in den Klimaschutz auf lokaler Ebene

Ein „neuer Ablasshandel“ soll die Klima-Kollekte gleichwohl nicht sein, betonen die Initiatoren. Gemäß dem EKD-Beschluss, bis 2015 im kirchlichen Bereich ein Viertel der CO2-Emissionen gegenüber 2005 einzusparen, müsse an erster Stelle die Vermeidung von Emissionen stehen (etwa durch den Verzicht auf Reisen), an zweiter die CO2-Minderung (durch die Wahl des klimafreundlichsten Verkehrsmittels) und erst an dritter Stelle die Kompensation über den Zertifikatekauf.

Die Verwendung der Fondsgelder unterliegt dem so genannten Gold Standard für Kompensationsprojekte, einem international anerkannten Prüfverfahren, das sicherstellen soll, dass die geförderten Projekte tatsächlich zur Einsparung von Emissionen und zur nachhaltigen Entwicklung beitragen. Das katholische Hilfswerk Misereor hat angekündigt, sich der Klima-Kollekte anzuschließen.

erschienen in Ausgabe 7 / 2011: Entwicklungsdienst: Wer hilft wem?

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