Umstrittene Straßennamen

Im Hamburger Bezirk Wandsbek sorgt der Vorschlag, eine Straße „Askariweg" zu nennen, für Wirbel. „Askari" bedeutet auf Arabisch und Suaheli Soldat. Damit wurden afrikanische Söldner benannt, die in den Kolonialtruppen europäischer Staaten kämpften, auch in der kaiserlichen Schutztruppe der Deutschen.

Die Straße soll in der neuen Wohnsiedlung Jenfelder Au auf dem Gelände der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne entstehen. Die „Arbeitsgemeinschaft Wohnen und Verkehr" der Jenfelder Stadtteilkonferenz hat den umstrittenen Namen vorgeschlagen. Auf dem früheren Kasernengelände befinden sich im so genannten Tansaniapark auch ein Kriegsdenkmal, auf dem Askari dargestellt sind, und eine Stele, die die koloniale Schutztruppe und das „Deutsche Afrika-Korps" aus dem Zweiten Weltkrieg ehrt.

Autorin

Claudia Mende

ist freie Journalistin in München und ständige Korrespondentin von „welt-sichten“. www.claudia-mende.de

Askari wurden zum Beispiel bei Aufständen gegen die Kolonialmacht, aber auch unter General Paul von Lettow-Vorbeck (1870- 1964) im Ersten Weltkrieg gegen die Truppen der Alliierten in Afrika eingesetzt, etwa in der damaligen Kolonie „Deutsch-Ostafrika", dem heutigen Tansania. „Mit einer solchen Benennung würde nahtlos angeknüpft an die Denkmäler der NS-Kolonialpropaganda, die den Mythos von ‚Deutschlands treuen Askari' pflegte", kritisiert der Historiker Christian Kopp von der Initiative „freedom roads!". In Wirklichkeit seien die gefürchteten Soldaten benutzt worden, um die Völker Afrikas zu kolonisieren. Allein im Ersten Weltkrieg seien in Ostafrika bis zu einer halben Million Zivilisten in Kämpfen zwischen deutschen Truppen und den Alliierten ums Leben gekommen. Freedom Roads, ein Netzwerk von bundesweit rund 40 Organisationen, setzt sich für eine kritische Erinnerungskultur ein. Kopp lehnt auch die Bezeichnung „Tansaniaring" für eine Straße in der Nähe dieses kolonialgeschichtlich belasteten Geländes ab.

„Geschichtsvergessen und kriegsverherrlichend"

Das Eine Welt Netzwerk Hamburg kritisierte den Vorschlag der Jenfelder Stadtteilkonferenz als „geschichtsvergessen und kriegsverherrlichend". Die neue SPD-Mehrheitsfraktion im Bezirk Hamburg-Wandsbek hat unterdessen signalisiert, dass es mit ihr weder einen „Askariweg" noch einen „Tansaniaring" im Stadtteil Jenfelder Au geben wird.

Hamburg streitet seit Jahren über den Umgang mit seiner kolonialen Vergangenheit. Die ehemalige Lettow-Vorbeck-Kaserne ging 1999 von der Bundeswehr in städtischen Besitz über. Konterfeis von Kommandeuren der Schutztruppe, die in Deutsch-Ostafrika an Kriegsverbrechen beteiligt waren, zieren die Fassaden des ehemaligen Kasernengebäudes.

Als Alternative zu „Askariweg" schlägt freedom roads! vor, die Straße nach Mohamed Husen aus Hamburgs Partnerstadt Dar es Salaam zu benennen. Husen war Kindersoldat in der deutschen Armee, kam später über Hamburg nach Berlin und wurde 1944 im Konzentrationslager Sachsenhausen ermordet. Über die Benennung entscheidet die Bezirksversammlung.

 

erschienen in Ausgabe 5 / 2011: Die Freiheit des Glaubens

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