Flávio Bolsonaro will Brasiliens Präsident werden

Mehrere Männer stehen an der Rehling eines Schiffes. In der Mitte steht Flavio Bolsonaro mit gelben T-Shirt und Jeans. Er hält ein Bild von seinem Vater als Präsident hoch.
picture alliance / AP Photo/Bruna Prado
In Brasilien wird am 4. Oktober der neue Präsident gewählt. Flavio Bolsonaro, der Sohn des früheren ultrarechten Präsidenten Jair Bolsonaro, dessen Bild er bei einer Wahlkampfveranstaltung Ende August hochhält, fordert den amtierenden Präsidenten Lula da Silva heraus.
Wahl in Brasilien
Er setzt auf die Strahlkraft seines Vaters und möchte gleichzeitig weniger extrem erscheinen. Die Chancen von Flávio Bolsonaro, der nächste Präsident Brasiliens zu werden, stehen nicht schlecht.

Flávio Bolsonaro ist in erster Linie Sohn - und dann Präsidentschaftskandidat. Der 45-jährige älteste Spross des ultrarechten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro ist der wichtigste Herausforderer von Brasiliens Staatschef Luis Inácio Lula da Silva bei den Wahlen im Oktober. Bis zu seiner Kandidatur war er politisch allerdings eher eine Randerscheinung. So nimmt der Senator zur Unterstützung bei öffentlichen Auftritten bisweilen seinen Vater als Pappfigur mit. Denn der Ex-Präsident (2018 bis 2022) steht unter Hausarrest und wurde wegen eines Putschversuchs zu 27 Jahren Haft verurteilt.

In seiner TV-Werbung positioniert Flávio Bolsonaro sich als Familienvater, Verfechter eines starken Frauenbilds und als gläubiger Christ. Anklang findet unter anderem seine harte Linie in der Sicherheitspolitik: Im Einklang mit anderen Rechtspopulisten Lateinamerikas wie dem Argentinier Javier Milei oder dem neuen Präsidenten Kolumbiens, Abelardo de la Espriella, spricht er von einer Erweiterung der Gefängniskapazitäten, dem Herabsetzen der Strafmündigkeit, weitgehender Straffreiheit für Polizisten bei tödlichen Schüssen in Einsätzen und der Kastration für Sexualstraftäter.

Zweiter in Umfragen dicht hinter Lula

Der Senator für Rio de Janeiro ist im Polizeimilieu beliebt - und für seine Nähe zu illegalen bewaffneten Milizen bekannt. Während seiner Zeit als Abgeordneter ehrte er mehrmals Milizionäre, darunter einen der Verantwortlichen für den Mord an der linken Stadträtin Marielle Franco. Als im Mai allerdings bekannt wurde, dass Bolsonaro Junior nicht nur enge Beziehungen zum inhaftierten Banker Daniel Vorcaro unterhält, sondern den Protagonisten des Finanzskandals um die inzwischen liquidierte Master-Bank auch persönlich um Spenden in Höhe von mehr als 130 Millionen Reais (etwa 21,6 Millionen Euro) gebeten hat, sanken seine Werte, vor allem bei Frauen und noch unentschiedenen Wählern.

Doch als später gegen Lulas ältesten Sohn Ermittlungen wegen möglichen Machtmissbrauchs aufgenommen wurden, holte der konservative Kandidat wieder auf. Zurzeit liegt er in Prognosen mit 34 Prozent der Wählerstimmen nur fünf Prozentpunkte hinter dem Veteranen Lula, der derzeit seine dritte Amtszeit absolviert.

Anklage wegen Geldwäsche und Luxuswohnung

Während Bolsonaro öffentlich dafür eintritt, die Korruption zu beenden, ist sein eigener Lebenslauf nicht fleckenfrei. Als 21-Jähriger wurde er jüngster Abgeordneter von Rio de Janeiro. Zwischen 2000 und 2002 soll er laut Medienberichten gleichzeitig in der Hauptstadt Brasília sein politisches Amt ausgeübt, an einem anderen Ort Jura studiert und an einem dritten ein Praktikum in der Staatsanwaltschaft absolviert haben.

2015 wurde Flávio Bolsonaro wegen Geldwäsche, Veruntreuung und der Bildung einer kriminellen Organisation angeklagt: Damals soll der Abgeordnete Teile des Gehalts von bis zu 23 seiner Assistenten eingestrichen haben. Die Anklage wurde aufgrund seiner parlamentarischen Immunität fallen gelassen. 2021 kaufte der Senator zusammen mit seiner Gattin Fernanda eine Luxusresidenz, deren Ratenzahlungen 50 Prozent des offiziellen Familieneinkommens ausmachen.

Moderate Version des Vaters

Wie seine drei Brüder durchlief der Erstgeborene eine militärisch-strenge Erziehung. Markige Sprüche schätzt er wie sein Vater. Die brasilianische Militärdiktatur bezeichnet er als „Übergang zur Demokratie“. Er hetzt gegen Schwule und Abtreibung und verteidigt die Todesstrafe und die allgemeine Bewaffnung. Dabei wirkt er allerdings nicht so stringent wie der Vater, wenn er etwa der LGTBQ+-Gemeinde zu gefallen sucht, der sein Vater stets ablehnend gegenüberstand.

Flávio Bolsonaro präsentiert sich als eine „moderate, ausgeglichene und zentrierte“ Version des Vaters. So versucht er, neben den Wähler des Vaters auch diejenigen zu gewinnen, die von dessen extremen Positionen abgeschreckt sind. Dieser Spagat führt dazu, dass ihm manche ein eigenes Profil absprechen.

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