Illusion Statebuilding

Berit Bliesemann de Guevara, Florian P. Kühn
Illusion Statebuilding.
Warum sich der westliche Staat so schwer exportieren lässt
Edition Körber-Siftung, Hamburg 2010,
215 Seiten, 14 Euro

Der Aufbau staatlicher Strukturen von außen erscheint als Mittel der Wahl, um zu verhindern, dass gescheiterte Staaten eine Gefahr für ihre Region oder die ganze Welt werden. Doch die beiden Politikwissenschaftler Berit Bliesemann de Guevara und Florian P. Kühn setzen sich in ihrem Buch äußerst kritisch mit den bisherigen Versuchen der Staatengemeinschaft auseinander, westliche Staatlichkeit in Länder zu exportieren, deren politische Ordnung zu zerbrechen drohte. Ihr Fazit: Es sei eine Täuschung des Westens, dass Frieden durch militärische Intervention, Marktliberalisierung und Demokratisierung von außen geschaffen werden könne. Für ihre Argumentation ziehen sie ihre eigenen, preisgekrönten Forschungsarbeiten zu Bosnien und Herzegowina sowie Afghanistan heran. Es sei zwar in beiden Fällen gelungen, staatliche Institutionen aufzubauen, die auf der internationalen Bühne eine Rolle übernehmen können. Sie blieben jedoch bloße Fassaden, da die Verbindung mit der Gesellschaft, über die der Staat herrschen und die ihn tragen soll, nicht gelungen sei. Die könne von außen nicht hergestellt werden. Das Buch bietet eine gut lesbare Einführung in das brisante Thema. Die Autoren zeigen die Dilemmata auf und liefern viele Argumente für eine sachliche Debatte.

(gka)

Neuen Kommentar schreiben