Wasserschutz mit aztekischen Hochbeeten

Toni Keppeler und Laura Nadolski: Wasserstress. Noch sind Mexiko-Stadt und der Axolotl nicht verloren. Rotpunktverlag, Zürich 2025, 192 Seiten, 25 Euro

Anhand des nur in Mexiko vorkommenden Lurches Axolotl veranschaulichen die Umweltwissenschaftlerin Laura Nadolski und der Lateinamerika-Journalist Toni Keppeler die Probleme des Wassermangels in der Region. Und betonen in ihrem Buch „Wasserstress. Noch sind Mexiko-Stadt und der Axolotl nicht verloren“, dass die traditionelle Wirtschaftsweise der Azteken die Lösung bringen könnte.

Mexiko-Stadt liegt inmitten einer sumpfigen Hochebene, die von einem Kranz von Gebirgszügen umgeben ist, von deren Hängen das Wasser in dieses flache Becken fließt. Überschwemmungen und Trockenperioden wechseln einander ab, was immer wieder zu großen Problemen in der Hauptstadt führt. Die Azteken konnten seinerzeit besser damit umgehen. Sie schichteten Schlamm, Pflanzenreste und Reisig zu Hochbeeten auf, die sie im flachen Seeboden verankerten. Diese Beete, Chinampas genannt, waren zu jeder Jahreszeit und bei wechselnden Wasserständen optimal nutzbar und brachten sehr gute Erträge. Ein ausgeklügeltes Kanalsystem machte sie mit Booten zugänglich und half auch, die regelmäßig auftretenden Überflutungen weitgehend zu regulieren.

Inzwischen ist die aztekische Stadt Tenochtitlan zur Metropolregion Mexiko-Stadt angewachsen, große Flächen wurden im Laufe der Jahrhunderte trockengelegt und mit Häusern und Industrieanlagen bebaut. In einigen Außenbezirken gibt es aber noch Reste der alten Chinampas und der Kanäle. Das Wasser ist allerdings mit Abfällen aller Art verseucht. Nur mit Hilfe von Kunstdünger und Pestiziden können die Bauern eine bescheidene Ernte erzielen. Der Axolotl, der die Gewässer einst zu Abertausenden bevölkerte, ist auf wenige Hundert Exemplare reduziert, denn er kann nur in sauberem Wasser überleben.  

Die ausgesetzten Axolotl gedeihen prächtig

Das Zentrum für Biologische- und Wasserkulturforschung der Nationalen Universität von Mexiko sorgt nun, wie die Autoren berichten, für Hoffnung. Zunächst wurde dort eine Zuchtstation für Axolotl aufgebaut. Einige örtliche Bauern konnten überzeugt werden, ihre Flächen jetzt mit ökologischen Methoden in der Tradition der Azteken zu bearbeiten. Dabei sind sie äußerst erfolgreich. Ihre Kanäle haben sie vom allgemeinen Netz abgetrennt und gefiltert, zudem nutzen sie Regen- und Brunnenwasser. Die ausgesetzten Axolotl gedeihen prächtig und vermehren sich. Das ökologisch produzierte Obst und Gemüse vertreiben die Bauern zu guten Preisen auf den Märkten der Stadt. „Wenn wir nicht nur 20, sondern 300 bis 500 Chinampas traditionell bewirtschaften würden“, schätzt einer der Landwirte, „könnten wir damit 20 Prozent des Gemüsebedarfs der Hauptstadt decken.“ 

Keppeler und Nadolski ziehen daraus den Schluss, dass die ökologischen Schäden in der Region reparierbar sind. Der Feldversuch zeige, dass man das einzigartige Feuchtgebiet der Chinampas wiederherstellen und damit nicht nur einen exotischen Lurch, sondern auch die Metropole Mexiko-Stadt vor den erwartbaren Schäden durch den Klimawandel bewahren könnte. 

Bleibt zu hoffen, dass dieser Optimismus berechtigt ist angesichts der Größe des Problems und der heutigen politischen Gegebenheiten. 

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