Alptraum im Fischerboot

 

Dokumentarfilm
Alptraum im Fischerboot –
Afrikas Flüchtlinge und Europas Fischereipolitik
Deutschland 2007/08
Regie: Klaus Martens, Michael Grytz
60 Minuten

Verzweifelt und erschöpft blicken sie in die Kamera: westafrikanische Flüchtlinge, die es in zerbrechlichen Fischerbooten an die Strände der Kanarischen Inseln geschafft haben. Viele sind auf der Überfahrt gestorben, verhungert oder verdurstet. Der Deutsche, erzählt derweil ein Händler auf dem Fischgroßmarkt in Dortmund, probiere gerne immer wieder einmal etwas Neues aus – am liebsten Fisch mit einem „exotischen Touch“. Schon in den ersten Einstellungen ihres vom Westdeutschen Rundfunk (WDR) produzierten Dokumentarfilms stellen Klaus Martens und Michael Grytz klar, worum es ihnen geht: den Zusammenhang zwischen der Massenflucht von vorwiegend jungen Westafrikanern nach Europa und der Fischereipolitik der Europäischen Union (EU)  – und liefern umfassende Antworten.

Martens und Grytz begleiten junge Fischer im Senegal, die schon einmal bis zu den Kanaren gekommen waren und zurück geschickt worden sind – der Senegal hat mit Spanien ein Auslieferungsabkommen. Sie sprechen mit Jugendlichen in Auffanglagern, deren Träume vom „Paradies Europa“ geplatzt sind. Und sie begeben sich an den Anfang dieser Reisen: Sie besuchen Fischerdörfer, in denen kaum noch jemand vom Fischfang leben kann und in denen Mütter und Ehefrauen ihren geflohenen Söhnen und Männern nachtrauern. Sie beschreiben die gnadenlose Konkurrenz mit den europäischen Hochseetrawlern, der die Fischer in ihren buntbemalten Holzpirogen ausgesetzt sind, und die hilflosen Versuche der senegalesischen und mauretanischen Behörden, deren Fangpraktiken zu kontrollieren. Und sie lassen einen spanischen Fischereilobbyisten zu Wort kommen, dem die Vereinbarungen über Fangquoten und Fangrechte noch lange nicht weit genug gehen. Europa, so das wenig schmeichelhafte Fazit der Filmemacher, interessiert sich nicht für die Menschen, sondern nur für ihre Ressourcen.

Der Evangelische Entwicklungsdienst hat den eindrücklichen Film mit seinem Preis „Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt“ ausgezeichnet.

Die DVD kann beim Evangelischen Zentrum für entwicklungsbezogene Filmarbeit (www.ezef.de) ausgeliehen werden.

Gesine Wolfinger

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