Potenziale der Migration zwischen Afrika und Deutschland

Tatjana Baraulina, Axel Kreienbrink, Andrea Riester (Hg.)
Potenziale der Migration zwischen Afrika und Deutschland
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und GIZ,
Nürnberg und Eschborn 2011,
430 Seiten, Bezug: www.bamf.de


Dieser Sammelband tritt für einen Blickwechsel in der Migrationsforschung ein. Sie habe sich bisher überwiegend mit der Wirkung von Zuwanderung auf das Zielland und den Problemen dort befasst. Der mögliche Nutzen, auch für die Migranten selbst und ihre Herkunftsländer, werde zu wenig untersucht, heißt es in der Einleitung. Knapp zwei Dutzend Forscherinnen und Forscher wollen das ändern und setzen die mit Migration von Afrika nach Deutschland verbundenen politischen Projekte - hier Integration, da Entwicklung - zueinander in Beziehung. Sie untersuchen, wie und warum einzelne Diaspora-Gruppen in Deutschland sich für die Entwicklung in ihrem Herkunftsland engagieren und wie Abwanderung Strukturen im Heimatland verändert, etwa in Ghana die Urbanisierung beschleunigt. Das fördert interessante Details und Perspektiven zutage, kommt aber mit überzogenem Gestus der wissenschaftlichen Neuerung daher. Wenig erforscht sind Entwicklungsleistungen aus der Diaspora, aber zu Chancen der Migration sowie Rückwirkungen auf die Herkunftsländer findet man einiges - etwa, auch zur Neuzeit, bei Historikern. In einigen Texten herrscht zudem ein Missverhältnis zwischen anspruchsvollen theoretischen Einführungen und eher dünnen empirischen Erkenntnissen. Überflüssiger akademischer Jargon steigert den Leseanreiz nicht. Schade, der angestrebte Perspektivwechsel würde der öffentlichen Debatte sehr gut tun.

(bl)

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