Der Frühling gilt als Jahreszeit des Wandels und des Neuanfangs. In Nepal steht in diesem Frühjahr ein Wandel an den Wahlurnen bevor: Millionen Menschen bereiten sich darauf vor, am 5. März ihre Stimme abzugeben, und hoffen auf einen Generationswechsel weg von den alternden Führern, die die Politik Nepals in den letzten zehn Jahren dominiert haben.
Die Wahl folgt auf die von der Generation Z angeführten Proteste gegen Korruption, die ein Verbot sozialer Medien ausgelöst hatte. Bei Kundgebungen zwischen dem 8. und 9. September 2025 wurden mindestens 73 Menschen von Sicherheitskräften getötet und drei Polizisten von einem Mob; danach musste Premierminister Khadga Prasad Sharma Oli zurücktreten. Die ehemalige Oberste Richterin Sushila Karki übernahm die Führung einer Übergangsregierung und wurde am 12. September als erste Frau Premierministerin Nepals; Parlamentswahlen wurden um fast zwei Jahre vorgezogen auf 5. März 2026.
Die Patriarchen sind nicht mehr unter sich
Diese Wahl könnte die politische Landschaft Nepals verändern und die Vorherrschaft der drei großen Parteien und ihrer Patriarchen brechen: der Kommunistischen Partei Nepals/Vereinigte Marxisten-Leninisten (UML), des Nepalesischen Kongresses (NC) und der Nepalesischen Kommunistischen Partei (NCP), zu der sich im November 2025 zehn kommunistischen Fraktionen zusammengeschlossen haben. Der 79-jährige Parteivorsitzende des NC, Sher Bahadur Deuba, wurde nach einer Revolte in der Partei im Januar auf einem Sonderparteitag vom 49-jährigen Gagan Thapa abgelöst und tritt nicht zur Wahl an. Aber der 73-jährige Ex-Premier Sharma Oli von der UML wirbt erneut um Stimmen und ebenso der 71-jährige Pushpa Kamal Dahal von der NCP; er war einer der Architekten des maoistischen Aufstands in Nepal von 1996 bis 2006, nach dem die Monarchie abgeschafft wurde.
Anders als früher werden Führer wie Oli und Dahal nun jedoch von neueren Parteien und jüngeren Kandidaten herausgefordert, die gute Regierungsführung, ein Ende der Korruption und Schritte gegen die wachsende soziale Ungleichheit und Arbeitslosigkeit versprechen. 2025 belegte Nepal im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International Platz 109 von 182 Ländern. Die Arbeitslosenquote unter Jugendlichen liegt laut Weltbank bei 20,8 Prozent, so dass jeden Tag fast 2300 Nepalesen ausreisen und Beschäftigung im Ausland suchen. Mehr als 2,1 Millionen der gut 29 Millionen Nepalesen leben laut der Volkszählung von 2021 im Ausland, mehr als drei Viertel davon als Erwerbstätige.
Neue Partei, alte Verhaltensmuster?
Autor
Bibek Bhandari
ist freier Journalist in Kathmandu, Nepal. Er hat in Indien und China gelebt und berichtet besonders über Gender-Themen, Kunst und Kultur sowie Umweltfragen.Um das zu erreichen, hat die RSP mehrere junge Gesichter an Bord geholt, darunter den 35-jährigen ehemaligen Bürgermeister von Kathmandu, Balendra Shah, bekannt als Balen. Von Beruf Rapper und Ingenieur, gewann er 2022 die Bürgermeisterwahl in der Hauptstadt als unabhängiger Kandidat. Junge Wähler verehren ihn und sehen ihn bereits als Nepals nächsten Premierminister. Shah tritt im östlichen Wahlkreis Jhapa an, den Oli seit Jahrzehnten ununterbrochen gewinnt, also direkt gegen den früheren Premier. In Nepal werden 165 Mitglieder des Unterhauses direkt in Wahlkreisen nach Mehrheitswahlrecht gewählt und weitere 110 über Parteilisten, die Sitze proportional zum nationalen Stimmenanteil erhalten. Die Listen sollen hauptsächlich die Vertretung von Frauen und marginalisierten Gemeinschaften sicherstellen.
Wer sind die wichtigsten Parteien und Kandidaten?
Die besten Aussichten für die Wahl am 5. März haben vier Parteien:
Die Communist Party of Nepal (Unified Marxist-Leninist), ...
Doch obwohl die RSP geschworen hat, nicht die alten Parteien nachzuahmen, zeigt sie bereits ähnliche Verhaltensmuster. Von Lamichhane wurde bekannt, dass er eine zweite, die US-amerikanische, Staatsbürgerschaft hat – was nach nepalesischem Recht illegal ist – und in Betrugsskandale verwickelt ist. Die brachten ihn zeitweise ins Gefängnis, aus dem er im Dezember gegen Kaution entlassen wurde. Zudem hat die Partei für Sitze, die für marginalisierte und unterrepräsentierte Gemeinschaften reserviert sind, Kandidaten aufgestellt, von denen einige Prominente und einflussreiche Geschäftsleute sind. Viele werfen nun der RSP Vettern- und Günstlingswirtschaft nach dem Muster der alten Parteien vor. Einige der Nominierten haben sich dann nach öffentlicher Kritik zurückgezogen.
Warnung vor einer populistischen Welle
Aber viele junge Leute sehen in der RSP nach wie vor die bessere Alternative. Mehrere Vertreter der Generation Z, die an den Protesten im September teilgenommen hatten, sind der Partei beigetreten, um bei den Wahlen zu kandidieren – darunter Bablu Gupta, der kurzzeitig Minister für Jugend und Sport in der Übergangsregierung war. Analysten sagen jedoch, dass junge Gesichter und ambitionierte Wahlprogramme nicht ausreichen. Sowohl die RSP als auch Shah sind in demokratischer Regierungsführung weitgehend unerprobt. Shah wird für die Verschönerung Kathmandus in seiner Amtszeit als Bürgermeister gelobt, aber auch kritisiert für den übermäßigen Einsatz von Gewalt gegen Straßenverkäufer und Hausbesetzer.
Die Enttäuschung der Wähler über alte Parteien und Politiker hat Lamichhane und Shah bekannt gemacht. Beobachter warnen aber, dass sie ähnliche populistische Tendenzen wie ihre Vorgänger zeigen, beispielsweise Oli. Ganan Thapa, der neue Vorsitzende der NC, der mehr als zwei Jahrzehnte für seinen Weg von der Studentenpolitik ins Parlament gebraucht hat, warnt ebenfalls vor der populistischen Welle und sagt, dass Veränderungen nur durch die Stärkung demokratischer Institutionen erreicht werden können.
Um die zu stärken und gute Regierungsführung zu fördern, arbeitet die von Karki geführte Übergangsregierung an einem Entwurf, wie Bürger und Zivilgesellschaft als aktive Partner am Aufbau des neuen Systems mitwirken sollen. Das soll Transparenz fördern und die Forderungen der Gen-Z-Bewegung erfüllen. Der Entwurf wird keine Rechtskraft haben, aber die künftige Regierung mahnen, die Zehn-Punkte-Vereinbarung der Übergangsregierung mit der Gen Z vom Dezember einzuhalten.
Die Bilanz der Übergangsregierung ist gemischt
Die Übergangsregierung wird weithin dafür gelobt, dass sie innerhalb der sechsmonatigen Frist Wahlen abhält und damit eine Verfassungskrise und einen Rückschritt bei der Demokratie verhindert. Gelobt wurde die Regierung Karki auch, weil sie mehrere Korruptionsverfahren gegen Personen wieder aufgenommen hat, die vorher politische Rückendeckung erhalten hatten. Aber sie wird dafür kritisiert, dass sich ein Bericht der Kommission über die Verantwortung für die Gewalt und die Todesfälle während der Proteste im September verzögert; die Kommission hat um eine Verlängerung der Frist gebeten.
Viele Aktivisten der Generation Z, die an den Protesten teilgenommen haben, fordern weiter Rechenschaft für die Gewalt gegen friedliche Demonstranten, die in einem Blutbad endete. Mehrere seit den Protesten gegründete Jugendbündnisse – darunter die Gen Z Front und die Gen Z Movement Alliance – mobilisieren ihre Netzwerke, um die Dynamik des Aufstands aufrechtzuerhalten. Einige ihrer Mitglieder sind politischen Parteien beigetreten, darunter der RSP, und kandidieren bei den Wahlen; andere denken, dass sie auf der Straße bleiben müssen, um jeden, der an die Macht kommt, zu hinterfragen.
Beobachter gehen davon aus, dass neue Gesichter und Kandidaten die von der Elite dominierte Politik verändern, aber nicht das System vollständig umkrempeln werden. Thapa preist die NC bereits als Nepali Congress 2.0 an und wirbt für eine neue Vision für Nepal.
Die Lebensverhältnisse wurden kaum verbessert
Alte und neue Kandidaten versprechen ein prosperierendes Nepal mit mehr Arbeitsplätzen und höherem Pro-Kopf-Einkommen. Aber ein großer Teil der Bevölkerung hat nach wie vor keinen Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen. Frauen sterben immer noch bei der Geburt, bevor sie Krankenhäuser in abgelegenen Bergregionen erreichen. Dörfer warten weiterhin auf asphaltierte Straßen und Brücken in den Bergen, und Millionen Menschen in den südlichen Ebenen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.
Nepal hat in den vergangenen drei Jahrzehnten mehrere Revolutionen erlebt – von der Rückkehr zur Mehrparteiendemokratie 1990 über einen zehnjährigen Bürgerkrieg ab 1996 bis zur endgültigen Abschaffung der Monarchie im Jahr 2006 und der Gründung der Republik. Die Veränderungen am System haben jedoch wenig dazu beigetragen, das tägliche Leben der Menschen zu ändern.
Die Proteste im September wurden nicht von dem Wunsch nach einer Veränderung des politischen Systems angetrieben, sondern von Forderungen nach echten Reformen wie der Beendigung von Korruption und Vetternwirtschaft im Staat und nach besseren wirtschaftlichen Chancen für junge Menschen. Die Wahl jetzt kann einen Generationswechsel in der Führung bringen. Aber viele sagen, dass es nicht die tief verwurzelten Ungleichheiten im Land beseitigen wird, die alte Garde bloß durch neue Gesichter zu ersetzen. Nepal braucht neue politische Strategien und Praktiken. Diese Wahl wird ein entscheidender Test dafür sein, ob das Land über symbolische Veränderungen hinaus zu echtem, dauerhaftem Fortschritt gelangen kann.
Aus dem Englischen von Bernd Ludermann.
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