Kopfsache

Seit Dirk Niebel sich mit Feldjägermütze gezeigt hat, will alle Welt ihm Übel. Sogar in seinem Ministerium kursiert eine Art Jahresrückblick, angeblich aus seiner Feder: „Gelbfieber. Die Niebel-Tagebücher“. Das Machwerk schildert, was im Entwicklungsministerium 2012 angeblich alles passiert ist. Sogenannte Fachleute meinen, es stimme alles außer dem Verfasser. Wer soll das glauben? Nun gut, die Personalpolitik … Gute Kumpels werden auf Leitungsposten gehievt und dann entfernt, wenn sie nicht völlig loyal sind – das kann schon sein. Dass die „Afrika-Kampagne“ bei näherem Hinsehen öffentlich finanzierten FDP-Wahlkampf darstellt, ist auch möglich, aber mal ehrlich: Was würden Sie tun, wenn die Wähler und die Presse Ihnen übel mitspielen? Und wollten wir nicht schon immer, dass nicht nur der Süden von uns lernt, sondern auch umgekehrt?

Und dann die Aufregung über die vielen Fototermine von BMZ-Spitzenleuten mit Stars und Sternchen wie der kolumbianischen Sängerin Shakira. Natürlich lassen die sich nicht gratis ablichten. Auch als Peter Maffay sich neulich mit Dirk Niebel getroffen hat, mussten manche gleich nörgeln, das habe nichts mit Entwicklungspolitik zu tun. Erstens stimmt das nicht, der Rock-Opa hilft schließlich armen Kindern. Und zweitens ist das ja nun wirklich kein Maßstab. Niebel und Maffay passen sogar gut zusammen: Beide machen nebenbei Entwicklungsarbeit, soweit das dem persönlichen Fortkommen dient. Maffay hat den Zenit seiner Karriere überschritten, und das scheint, leider, auch Niebel geglückt zu sein: Seine Parteifreunde sind den Verleumdern auf den Leim gegangen und haben ihn aus dem FDP-Präsidium gewählt. Kurz zuvor hatte der Minister dem Haus der Geschichte seine Mütze vermacht – die von „meinem Einzelkämpferlehrgang“, sagte er. Er will doch wohl nicht aufgeben?

erschienen in Ausgabe 4 / 2013: Wasser

Neuen Kommentar schreiben