Kuoni leistet Pionierarbeit

Als erstes Tourismusunternehmen hat Kuoni untersucht, wie sich seine Tätigkeiten auf die Menschenrechte auswirken. Im Fokus steht das Urlaubsland Kenia. Hilfsorganisationen loben die Pionierarbeit des Schweizer Reiseanbieters. Sie fordern aber auch konkrete Maßnahmen.

Für das Gutachten befragte Kuoni Angestellte und das Management seines Hauptgeschäftspartners Private Safaris East Africa Limited sowie weiterer sechs Hotels, die das Unternehmen im Angebot hat. Als Kritikpunkte wurden in den Gesprächen unter anderem die Arbeitsbedingungen genannt, Angestellte beklagten sich über zu niedrige Löhne. Wenn er sehe, was die Gäste bezahlten und was er pro Monat verdiene, „dann fühle ich mich ausgenutzt“, zitiert Kuoni einen Hotelangestellten. Problematisch ist zudem das Verhalten des Managements gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: Ein Angestellter erzählte, er bemühe sich seit acht Jahren um einen schriftlichen Vertrag. Jedes Mal wenn er versucht habe, sein Anliegen mit dem Management zu besprechen, sei er auf „später“ vertröstet worden.

Autorin

Kathrin Ammann

Kathrin Ammann ist Redakteurin bei SWI swissinfo.ch in Bern und ständige Korrespondentin von welt-sichten.

Auch Kinderrechte sind für Kuoni ein Thema, insbesondere im Zusammenhang mit Sexarbeit. Bei den Treffen mit Kinder­sexarbeitern wollten die Betroffenen aber keine Auskunft darüber geben, ob auch Kuoni-Anbieter in das Geschäft involviert sind, heißt es in dem Bericht. Die Untersuchung befasst sich ferner mit der Frage, wie der wirtschaftliche Nutzen aus dem Tourismusgeschäft verteilt ist  und wie sich die unternehmerischen Tätigkeiten von Kuoni auf die lokale Bevölkerung auswirken.

Für die Untersuchung hatte der Reiseanbieter sieben NGOs, UN-Organisationen und akademische Institutionen eingeladen, als individuelle Berater teilzunehmen. Fünf davon nehmen in dem Bericht Stellung, darunter die Schweizer Fachstelle „Arbeitskreis Tourismus und Entwicklung“ (akte) und das Schweizerische Kompetenzzentrum für Menschenrechte (SKMR). Sie sei beeindruckt von der Qualität und vom umfassenden Ansatz des Berichts, sagt akte-Geschäftsführerin Christine Plüss. Christine Kaufmann vom SKMR beurteilt das Gutachten als „wichtigen Schritt“ zur Umsetzung der UN-Richtlinien zu Unternehmen und Menschenrechten, zu deren Einhaltung sich Kuoni 2011 verpflichtet hatte.

Man habe bereits lokale Richtlinien für die Personalabteilungen erstellt, sagt Kuoni

Der Bericht zeige jedoch auch, dass Interviews mit Angestellten sorgfältig vorbereitet und geführt werden müssen, sagt Kaufmann. Weil die Interviews während der Hochsaison stattfanden, standen die Angestellten unter Zeitdruck, die Treffen dauerten meist nur zwischen fünf und zehn Minuten. Es sei zudem schwierig gewesen, die Angestellten davon zu überzeugen, dass ihre Aussagen anonym ausgewertet werden, heißt es in dem Bericht. Kaufmann schlägt vor, den Aufbau der Befragungen für künftige Untersuchungen zu überprüfen und die lokalen kulturellen Gegebenheiten stärker zu berücksichtigen.

Kuoni will die Resultate des Pilotprojekts als Grundlage nutzen, „um in nächster Zeit ein sinnvolles und machbares“ Verfahren auszuarbeiten. Man habe bereits lokale Richtlinien für die Personalabteilungen erstellt, sagt Mediensprecher Peter Brun. Zudem werde geprüft, in welchen weiteren Urlaubszielen Kuoni solche Gutachten anfertigen werde. Wie viel Geld der Bericht Kuoni gekostet hat und wie hoch das Budget für die Abteilung der sogenannten „sozialen Unternehmensverantwortung“ ist, will das Unternehmen nicht sagen.

erschienen in Ausgabe 5 / 2013: Wer spricht Recht?

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