Weniger Hilfe für Katastrophen-Opfer

Keine „Mega-Katastrophen“ im vergangenen Jahr – dennoch verloren unzählige Menschen aufgrund von Krisen und Konflikten ihr Zuhause. Die humanitäre Hilfe sank um acht Prozent.

Laut dem jüngsten Global Humanitarian Assistance Report gab die internationale Gemeinschaft im vergangenen Jahr 17, 9 Milliarden US-Dollar insgesamt für humanitäre Hilfe aus, gegenüber 2011 ein Rückgang um acht Prozent. Manche Geber fuhren ihre Unterstützung besonders dramatisch zurück: Spanien etwa kürzte um die Hälfte, Japan um 38 Prozent und die USA um immerhin ein Zehntel. Sie blieben dennoch auf Platz eins der Geber-Rangliste, gefolgt von Großbritannien, der Europäischen Union und der Türkei. Letztere hat sich damit als „neuer Geber“ fest etabliert.

Das Fehlen medienwirksamer „Mega-Katastrophen“ zeigte einmal mehr, dass es ungleich schwer ist, Hilfe für weniger öffentlichkeitsträchtige Krisen zu mobilisieren: Die Hilfsappelle der Vereinten Nationen für 2012 wurden lediglich zu zwei Dritteln finanziert – der niedrigsten Stand in den vergangenen zehn Jahren.

Arme Länder helfen mit Gastfreundschaft

Die meiste Hilfe floss 2011(für dieses Jahr liegen die aktuellsten Zahlen vor) nach Pakistan, danach folgten Somalia, die Palästinensergebiete, Afghanistan und Äthiopien. Vor allem arme Länder leisteten Hilfe nicht mit Geld, sondern mit Gastfreundschaft: Pakistan beherbergte 2011 mehr als 1,2 Millionen Flüchtlinge, Iran rund 886.000, Syrien 755.000 und Kenia knapp 567.000.

Noch nicht berücksichtigt wird in dem Bericht der Konflikt in Syrien und seine verheerenden Folgen für die Zivilbevölkerung – im Juni hatten die Vereinten Nationen einen Hilfsappell über 5,2 Milliarden US-Dollar gestartet, den größten der Geschichte.

Noch immer zu wenig Geld für die Katastrophenvorsorge

Angesichts der Klimawandels wird zunehmend der Ruf nach mehr Katastrophenvorsorge laut – doch der bleibt (fast) reine Rhetorik. Der Betrag, der 2011 dafür aufgewendet wurde, ist mit 532 Millionen US-Dollar, also fünf Prozent der gesamten humanitären Hilfe, noch immer sehr gering.

Zugleich steht die Förderung von „Resilienz“ ganz oben auf der politischen Agenda vieler staatlicher Geber – also der Fähigkeit von Personen, Regionen oder Ländern, Belastungen zu begegnen und sich schnell wieder davon zu erholen. Dahinter verbirgt sich die Erkenntnis, dass es sinnvoll ist die oft komplexen Ursachen von Katastrophen im Zusammenhang anzugehen und in längeren Zeiträumen zu planen.

Unterdessen haben sich in der humanitären Hilfe Programme etabliert, bei denen die Opfer von Katastrophen Bargeld oder Gutscheine anstelle von Säcken mit Mais oder Reis erhalten. Sie gelten als flexibler und geben den Menschen die Möglichkeit, nach ihren Bedürfnissen einzukaufen. Alle Lebensmittelhilfen der Europäischen Union in Pakistan und Haiti etwa enthalten solche Maßnahmen. (gka)

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