Faire Pillen gesucht

Schlafkrankheit, Elefantiasis und Flussblindheit: An diesen Krankheiten leiden vor allem arme Menschen in den Tropen. Für die Pharmaindustrie winken da keine Profite. Dennoch kann man sie dazu bringen, neue Medikamente zu entwickeln.

Wissenschaftler und nichtstaatliche Organisationen (NGO) wie „Ärzte ohne Grenzen“ und die BUKO Pharma-Kampagne kritisieren schon seit Jahren, dass sogenannte Armutskrankheiten – zu denen je nach Definition auch Malaria, Tuberkulose und HIV/Aids gezählt werden – zu wenig Aufmerksamkeit erfahren: vor allem von Seiten der Pharmaindustrie, aber auch von öffentlichen Gebern.

Partnerschaft für besseren Zugang zu Arzneimitteln

Die Schweiz will gemeinsam mit der Stiftung von Bill und Melinda Gates die Gesundheitsbehörden in Afrika stärken. Ziel der Public-Private-Partnership (PPP) ist es, die Prüfungs- und…

„Rund drei Milliarden Menschen, das sind 40 Prozent der Weltbevölkerung, leiden unter solchen Krankheiten“, sagt der Direktor des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie, Stefan Kaufmann. „Aber im Kampf dagegen wird viel zu wenig getan.“ Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Nur vier Prozent der 850 Medikamente und Impfstoffe, die zwischen 2000 und 2011 neu entwickelt wurden, sind laut einer Studie des britischen Fachblatts „Lancet“ vom vergangenen Jahr zur Prävention und Therapie vernachlässigter Krankheiten gedacht.

Den größten Teil der Forschung und Entwicklung in diesem Bereich finanzieren öffentliche Geber wie die Nationale Gesundheitsbehörde der USA und die Europäische Union. 2012 betrug ihr Anteil an den Gesamtinvestitionen in Höhe von 3,2 Milliarden US-Dollar laut dem „G-Finder“-Bericht des unabhängigen „Policy Cures“-Instituts mehr als zwei Drittel, während private Stiftungen und die Pharmaindustrie knapp 20 beziehungsweise 17 Prozent der Mittel beisteuerten.

Produktentwicklungspartnerschaften

Gleichwohl sehen Gesundheitsexperten in den vergangenen zehn Jahren Bewegung in die richtige Richtung. „Die Pharmaindustrie bringt sich stärker ein“, sagt Christian Wagner-Ahlfs von der BUKO Pharma-Kampagne. Als wichtigste Neuerung nennt er die Produktentwicklungspartnerschaften (PDP).

Bei solchen Non-Profit-Organisationen arbeiten Pharmafirmen, öffentliche Forschungseinrichtungen, private Geber wie die Gates-Stiftung und NGOs zusammen, um Forschungslücken zu schließen und Diagnostika, Impfstoffe und Mittel zur Bekämpfung von vernachlässigten Krankheiten zu erschwinglichen Preisen auf den Markt zu bringen. Die Pharmaunternehmen stellten mit ihren Wirkstoffdatenbanken einen „enormen Schatz“ zur Verfügung, erklärt Wagner-Ahlfs.

Auch der Immunbiologe Kaufmann hält die Produktentwicklungspartnerschaften für ein gutes Modell, etwa um Medikamente, die bereits zur Behandlung einer Krankheit zugelassen sind, auch für die Therapie einer anderen zu erproben. Auf diese Weise wurde der Durchbruch bei der Heilung von Patienten mit Schlafkrankheit erzielt. Im Rahmen der Produktentwicklungspartnerschaft „Drugs for Neglected Diseases initiative“ (DNDi) testeten Forscher in klinischen Studien den Wirkstoff Nifurtimox von Bayer, ursprünglich zur Behandlung von Krebs und der Chagas-Krankheit entwickelt, in Kombination mit Eflornithin von Sanofi-Aventis – und waren erfolgreich.

erschienen in Ausgabe 3 / 2014: Medizin: Auf die Dosis kommt es an

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