Philippinen: Ein Vertrag ist noch kein Frieden

Für die muslimischen Moros auf den Philippinen ist nach jahrzehntelangen Kämpfen Autonomie in greifbare Nähe gerückt. Doch ob ein Friedensschluss die Gewalt in Mindanao beenden wird, ist fraglich. Denn sie hat noch ganz andere Ursachen als den Bürgerkrieg.

Rebellen in Mindanao


• Moro National Liberation Front (MNLF): Diese älteste Rebellengruppe kämpfte seit 1972 für einen unabhängigen Staat „Bangsamoro“, akzeptierte aber 1996 eine Autonomie. Eine…

Der Konflikt reicht weit in die Geschichte zurück. Er begann mit dem erfolgreichen Widerstand der muslimischen Bevölkerung Mindanaos und des Sulu-Archipels gegen die Spanier, die den Rest der heutigen Philippinen Ende des 16. Jahrhunderts besetzten und christianisierten. Die Amerikaner gelangten 1898 in Folge des amerikanisch-spanischen Krieges in den Besitz der Philippinen. Sie eroberten auch die muslimischen Regionen und gliederten diese in die Philippinen ein, die sie dann 1946 in die Unabhängigkeit entließen.

Seit den 1920er Jahren galt Mindanao als das „Land der Hoffnung“, in das immer mehr christliche Siedler aus anderen Teilen der Philippinen  einwanderten. Zu Beginn wurden sie von den Muslimen freundlich aufgenommen. Doch dies wandelte sich zur Gegnerschaft, als ihre Zahlen stiegen und die Muslime aus Teilen ihres Landes vertrieben und in anderen Teilen zu Minderheiten wurden.

Muslimische Gegeneliten

Die Folge war Gewalt zwischen Muslimen und Christen Ende der 1960er Jahre. Die Organisation einer modernen Rebellenbewegung erforderte jedoch noch eine neue Generation muslimischer Gegeneliten. Diese trat Ende der 1960er Jahre hervor in Form junger muslimischer Intellektueller, die an philippinischen Hochschulen ausgebildet worden waren oder islamische Hochschulen im Nahen Osten besucht hatten. Auf der Grundlage des dort erworbenen ideologischen Rüstzeugs bauten sie eine revolutionäre Alternative zur traditionellen Politik auf, die MNLF.

1972 brach der Bürgerkrieg aus. Er wurde zwar abgeschwächt, als die MNLF mit der Regierung 1976 im Vertrag von Tripolis erste Autonomieregeln vereinbarte. Aber das beendete den Krieg nicht, weil der Vertrag aus Sicht der MNLF ungenügend blieb und vom philippinischen Staat nur teilweise und ohne Kooperation mit der MNLF umgesetzt wurde..

Die folgenden zwei Jahrzehnte bis zum Friedensvertrag mit der MNLF 1996 sind von einem Gewaltkonflikt niedriger Intensität gekennzeichnet, mit dem eine militärisch und politisch geschwächte MNLF ihren Forderungen Nachdruck verlieh. In diese Zeitspanne fällt auch die Gründung der MILF, die über nationalistische Ziele hinaus eine stärkere Islamisierung der lokalen Gesellschaft anstrebte. Das Gros derer, die eine islamische Ausbildung genossen hatten, wechselte von der MNLF zur MILF unter dem Islamgelehrten und MNLF-Mitbegründer Hashim Salamat.

Salamat hielt bis zu seinem Tod im Jahr 2003 am Ziel eines eigenen islamischen Staates fest. Seine Nachfolger orientierten sich jedoch neu am Ziel einer umfassenden Autonomie. In Reaktion darauf gründete Umbra Kato, ein radikaler MILF-Kommandeur, 2008 die Islamischen Freiheitskämpfer von Bangsamoro (Bangsamoro Islamic Freedom Fighters, BIFF). Selbst wenn mit der MILF ein Friedensvertrag geschlossen wird, muss nicht notwendigerweise Frieden in die Bürgerkriegsregion einziehen. Denn die BIFF ist nur eine in einer Reihe von Führern und Gruppen, die auch in der Zukunft bereit sein werden, ihre Interessen mit Gewalt zu verfolgen.

erschienen in Ausgabe 3 / 2014: Medizin: Auf die Dosis kommt es an

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