Prominenz wirbt für Entwicklungshilfe

Mit der Kampagne „Unsere Stimmen für Entwicklung“ will die österreichische Regierung die Bürger überzeugen, dass Entwicklungshilfe sinnvoll ist. Entsprechende Botschaften prominenter Leute werden über die sozialen Medien verbreitet.

Für die Fernseh-Moderatorin Eva Pölz ist Entwicklung vor allem weiblich: „Die Frauen des Südens sind es, die die Zukunft bestimmen werden – die ihrer Kinder, ihrer Familien und vor allem die der demokratischen Entwicklungen. ,Hilfeʻ für unsere Schwestern kann die Welt verändern und wohl auch retten.“ Das freundliche und relativ bekannte Gesicht Pölzls soll Aufmerksamkeit erregen.

Ihre Stimme ist eine der vielen, die für eine Kampagne der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit eingefangen und online gestellt wurden. „Wir leben in einer globalisierten Welt. Deshalb finde ich, dass nicht nur die Finanzmärkte global agieren sollten, sondern auch die Völker. Für uns heißt das, dass wir, ob es uns gefällt oder nicht, auch für Menschen in ärmeren Ländern Verantwortung übernehmen müssen“, sagt die renommierte Journalistin Barbara Coudenhove-Kalergi.

Entwicklungshilfe ist gut investiertes Geld

Mittels prominenter oder auch einschlägig erfahrener Personen soll den Österreicherinnen und Österreichern deutlich gemacht werden, dass Entwicklungshilfe gut investiertes Geld ist. „Wir wollen zeigen, dass Entwicklung uns alle angeht“, sagt Doris Gebru-Zeilermayr, Sprecherin der Austria Development Agency (ADA). Die Botschaften werden über die sozialen Medien verbreitet.

Auch jene, an die sich die Projekte richten, kommen zu Wort. Zum Beispiel Enanye Mesfin Bizuneh, Hotelbesitzerin aus Nord-Gondar in Äthiopien: „Mit einem Kredit eines österreichischen Viehzuchtprojektes kaufte ich das Zubehör für eine kleine Molkerei. Die Geschäfte laufen gut und heute besitze ich zusätzlich ein Hotel.“ Die Hälfte ihres Kredits hat sie bereits abgestottert: „Ich liebe meine Arbeit!"

Was kann ein kleines Land wie Österreich bewirken?

Die Kampagne richtet sich auch an Schulkinder. Für Jugendliche ab 15 Jahren werden 30 Workshops finanziert, in denen grundsätzliche Fragen der Entwicklungspolitik abgearbeitet werden: Was bedeutet Entwicklung? Warum geht Entwicklungszusammenarbeit uns alle an? Was kann ein kleines Land wie Österreich bewirken? Die Workshops werden von der Südwind-Agentur konzipiert und österreichweit den Schulen angeboten.

Zudem wurde ein Videowettbewerb ausgeschrieben. Die Filme, die sich mit dem Thema Entwicklung auseinandersetzen müssen, können zwischen Ende Mai und Mitte Juni auf Youtube gestellt werden. Zwischen 16. und 22. Juni können dann Facebook-Fans ihr Votum abgeben. Die Macher des Videos mit den meisten „Likes“ gewinnen eine Videokamera.

Annelies Vilim, Geschäftsführerin des NGO-Dachverbandes Globale Verantwortung und selbst eine der Stimmen, findet solche Kampagnen prinzipiell gut, denn in Österreich herrsche nach wie vor Nachholbedarf in entwicklungspolitischen Angelegenheiten. Sie findet es auch in Ordnung, Prominente einzusetzen, um die Botschaft rüberzubringen. Allerdings hätte sie sich gewünscht, „dass auch Menschen von der Straße zu Wort kommen“. Derzeit sind sie nur die Adressaten der Botschaft der ADA: „Es ist nicht egal, dass weltweit rund 45 Millionen Menschen auf der Flucht sind, mehr als 840 Millionen hungern oder fast 770 Millionen kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung haben.“

www.entwicklung.at/unsere-stimmen-fuer-entwicklung/

erschienen in Ausgabe 5 / 2014: Durchlass hier, Mauer dort

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