Nairobis Stadtteil Eastleigh heißt im Volksmund Klein-Mogadischu, weil hier überwiegend Somalis wohnen.

Unsere Somalis, fremde Somalis

In Kenia leben viele Menschen somalischer Herkunft. Viele fühlen sich als Kenianer, zugleich aber auch ausgegrenzt im eigenen Land. Und auch zwischen den Somalis gibt es unsichtbare Barrieren.

Diese Auseinandersetzungen bestimmten das Leben vieler kenianischer Somalis. Zum einen hielten die Spannungen durch die 1970er Jahre hinweg an; erst ab Beginn der 1980er Jahre verbesserte sich die Lage etwas. Bis heute gehört die Region zu den ärmsten Gebieten Kenias mit kaum entwickelter Infrastruktur. Der Staat ist weitgehend abwesend, das Grenzgebiet entsprechend unsicher.

Zum anderen wurde der somalischen Bevölkerung die Loyalität zum kenianischen Staat abgesprochen – damit bekamen sie einen inoffiziellen Status, der mit dem Begriff „ambivalenter Staatsbürger“ bezeichnet werden könnte. Das macht es ihnen schwerer, als vollwertige Staatsbürger aufzutreten. Für die Bewohner der North Eastern Province ist es zum Beispiel nach wie vor schwieriger als für andere Kenianer, einen Ausweis zu erhalten: Sie müssen nicht nur die üblichen Unterlagen vorweisen, sondern auch einen Bürgen.

Ähnliches gilt für die in den Städten lebenden Somalis, deren Familien während der Kolonialzeit eingewandert waren. Zwar ist ihre finanzielle Situation meist deutlich besser, viele können der Mittelschicht zugeordnet werden. Von der Administration und Polizei werden sie jedoch ebenso benachteiligt.

Hunderttausende Flüchtlinge kamen nach Kenia

Diese Situation wurde noch komplizierter mit dem Beginn der 1990er Jahre, als Hunderttausende Flüchtlinge aus Somalia nach Kenia kamen. Die meisten von ihnen wurden in den zwei großen Flüchtlingslagern Kakuma nahe der sudanesischen Grenze und Dadaab in der North Eastern Province, nahe der Grenze zu Somalia, angesiedelt. Doch schätzungsweise mehr als 100.000 Flüchtlinge – offizielle Zahlen gibt es nicht – haben sich, zumeist illegal, in der North Eastern Province sowie in den größeren Städten Kenias niedergelassen, etwa in Nairobi, Mombasa, Nakuru oder Eldoret.

Zur gleichen Zeit wanderten auch viele kenianische Somalis aus dem Norden des Landes in die weiter südlich gelegenen Städte. Sie flohen vor den wirtschaftlichen Folgen des Krieges in Somalia, die auch in der benachbarten North Eastern Province spürbar waren, und wurden zugleich angezogen von den sozio-ökonomischen Möglichkeiten, die sich ihnen in den Städten boten.

Von den rund 10.000 Somalis in Nakuru, der viertgrößten Stadt Kenias, sind mehr als 90 Prozent erst seit den 1990er Jahren angekommen. Von diesen Zuwanderern wiederum kamen vier von fünf aus der North Eastern Province. Die Somalis, die schon seit der Kolonialzeit in den kenianischen Städten leben, haben in der Regel nur wenig Kontakt zu den Neuankömmlingen.

erschienen in Ausgabe 5 / 2014: Durchlass hier, Mauer dort

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