Hilfreicher Glanz

Viele Hilfswerke setzen auf Prominente, um ihre Anliegen in der Öffentlichkeit besser zu vermarkten. Das scheint für beide Seiten gewinnbringend zu sein – kleine Risiken eingeschlossen.

Alle warten auf Norbert Blüm. Als er schließlich mit zehn Minuten Verspätung den Raum betritt, hält der Kameramann von RTL drauf. Kurz muss Blüm mit der neuen Vorstandsvorsitzenden der Kindernothilfe, Katrin Weidemann, posieren. Dann kann die Pressekonferenz beginnen.

Seit 1999 engagiert sich der frühere Arbeitsminister für das Kinderhilfswerk mit Sitz in Duisburg – als Botschafter und als Vorsitzender des Stiftungsrates der Kindernothilfe-Stiftung. Der 78-Jährige tut das mit Herzblut und Leidenschaft. Vor allem der ausbeuterischen Kinderarbeit hat er den Kampf angesagt. Blüm reist in Projekte, wirbt für Kinderpatenschaften, beteiligt sich an Kampagnen und legt sich mit denen an, die er für die Ausbeutung von Mädchen und Jungen verantwortlich macht – etwa mit dem Betreiber eines Steinbruchs in Indien. Dort habe er aber auch gelernt, dass die Kunden aus Deutschland ihren Beitrag zu Veränderungen leisten müssen, indem sie etwa zertifizierte Grabsteine kaufen, sagt er. Dafür macht er sich nun ebenfalls stark.

Autorin

Gesine Kauffmann

ist Redakteurin bei "welt-sichten".
Prominente Botschafter wie Norbert Blüm helfen nichtstaatlichen Organisationen (NGO), ihre Anliegen in die Öffentlichkeit zu tragen – das zeigt sich bereits an seinem kleinen Auftritt bei der Jahrespressekonferenz. Zwei Fernsehteams waren dabei. „Das ist eine klassische Win-Win-Situation“, sagt die Pressesprecherin der Kindernothilfe (KNH), Angelika Böhling. „Unsere Botschafter haben ein großes Interesse, Kinder zu unterstützen. Ihre Prominenz macht es für uns leichter, in die Medien zu kommen.“

Der Fundraising-Experte Christoph Müllerleile nennt ein weiteres Motiv, das Prominente dazu bringt, für eine gute Sache zu streiten: Es wertet ihr Image auf. „Reiner Altruismus ist selten“, sagt der Mitgründer des Deutschen Fundraising Verbandes. „Die meisten haben schon im Auge, wie sich ihr Engagement auf die Karriere auswirkt.“

Diesen Effekt machen sich viele NGOs zunutze – in Großbritannien und den USA noch stärker als in Deutschland. Ob World Vision, Unicef oder die Kampagnen „Deine Stimme gegen Armut“ und „Gemeinsam für Afrika“: Sie alle werben mit prominenten Gesichtern aus Musik, Film, Fernsehen und Sport.

Damit erschließen sie sich auch neue Zielgruppen, die sie alleine nicht erreichen würden, sagt die Sprecherin von „Gemeinsam für Afrika“, Susanne Anger. Etwa über Facebook: Wenn ein Musiker wie Gentleman dort für die Kampagne trommelt, sehen das mit einem Schlag mehr als 650.000 Fans.

Die Kontakte laufen in beiden Richtungen – manchmal kommen Prominente auf die Organisationen zu, in anderen Fällen werden sie direkt angesprochen. Dafür sei eine gute Recherche unerlässlich, betont Anger. „Wer ist das? Welche Interessen hat er? Für welche Werte steht er? Das muss einfach passen.“

Glaubwürdigkeit, Integrität und ein hoher Bekanntheitsgrad sind die wichtigsten Voraussetzungen. Ferner sollte ein prominenter Botschafter nicht für mehrere Organisationen gleichzeitig werben. „Das würde die Botschaft verwässern“, sagt KNH-Sprecherin Böhling.

Wer Prominente erfolgreich für seine Anliegen einsetzen will, muss viel Zeit und Energie in den Aufbau und die Pflege der Beziehungen stecken. „Der Betreuer muss einen persönlichen Draht haben“, erklärt Susanne Anger, die als Geschäftsführerin der Deutschen Fundraising Company in Berlin NGOs unter anderem bei der Zusammenarbeit mit Prominenten berät. Wenn sich ein Prominenter langfristig für eine Organisation einsetzen solle, müsse er deren Werte, Ziele und Kultur verstehen. „Die Basis ist gegenseitiges Vertrauen“, bestätigt Rudi Tarneden vom Kinderhilfswerk Unicef. „Botschafter kann nur jemand werden, den wir gut kennen.“

erschienen in Ausgabe 7 / 2014: Lobbyarbeit: Für den Nächsten und sich selbst

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