1,8 Milliarden Dollar für Waffen statt Frieden

Im jüngsten Staat der Welt droht eine Hungersnot. Doch die führenden Politiker sind nicht um Lösungen bemüht. Sie tun alles, um das Klischee vom Krisenkontinent Afrika mit seinen machtgierigen Staatsmännern zu bedienen.

Die Bilder gleichen denen aus dem sudanesischen Bürgerkrieg bis 2005: Weiße Transportflugzeuge mit dem UN-Logo öffnen ihre Heckklappe und heraus fallen Pakete mit Lebensmitteln für die hungernden Menschen am Boden. Als Südsudan vor drei Jahren unabhängig wurde, hoffte man, solche Not werde den Bürgern des neuen Staates künftig erspart bleiben. Doch seit diesem Sommer fliegt das UN-Welternährungsprogramm wieder Hilfseinsätze über den entlegenen Region des Landes.

Südsudan droht die – in den Worten der Vereinten Nationen – „schlimmste Nahrungsmittelkrise der Welt“, und schuld daran sind einmal nicht die von der entwicklungspolitischen Szene gerne verdächtigten Agrarkonzerne oder Börsenspekulanten, die die Lebensmittelpreise nach oben treiben. Diese Hungerkrise ist hausgemacht. Verursacht haben sie die Machthaber im Südsudan und die, die in der Hauptstadt Juba selbst gern das Ruder übernehmen würden. Sie haben im vergangenen Dezember den Krieg angezettelt, der alle Hoffnung auf einen lebensfähigen Staat vorerst zunichte gemacht hat.

Vor einem Jahr erst hatten die südsudanesischen Bauern nach Angaben der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO eine Rekordernte eingefahren, ein Viertel mehr als im Durchschnitt der fünf Jahre davor. Das war immer noch zu wenig, um alle Frauen, Männer und Kinder im Land satt zu machen. Aber zum ersten Mal habe man Licht am Ende des Tunnels gesehen, sagt die FAO-Vertreterin für Südsudan, Sue Lautze.

1,8 Milliarden Dollar für den falschen Zweck

Davon ist heute keine Rede mehr. Und die Kriegsparteien machen bislang nicht den Eindruck, als seien sie ernsthaft an einer Lösung interessiert. Als Anfang August die Verhandlungen im Nachbarland Äthiopien weitergehen sollten, erklärte die südsudanesische Regierungsdelegation, sie könne leider erst später anreisen: Wegen eines Feiertages könne sie kein Geld abheben, um das Hotel in Addis Abeba zu bezahlen. Die Frist, bis zum 10. August eine Übergangsregierung zu bilden, wurde von beiden Seiten ignoriert.

Auf 1,8 Milliarden US-Dollar beziffern die Vereinten Nationen den Bedarf, um die schlimmste Not im Südsudan zu lindern. Die Hälfte davon fehlte ihnen Anfang August noch. Unterdessen hat die Regierung in Juba ihren Haushaltsentwurf für dieses Jahr vorgelegt. Für die Armee, die Polizei und Gefängnisse hat sie angesetzt: umgerechnet etwa 1,8 Milliarden Dollar.

erschienen in Ausgabe 9 / 2014: Atomwaffen: Abrüstung nicht in Sicht

Neuen Kommentar schreiben