Zensur: Nur noch Gospel und Predigten

(29.10.2014) Katholische Radiosender im Südsudan dürfen nicht mehr über politische Themen berichten. Ein neues Mediengesetz erlaubt staatlichen Stellen eine stärkere Kontrolle unabhängiger Medien.

Die Ansage des stellvertretenden Gouverneurs Joseph Garang Zachariah an den Sender „Voice of Hope“ war unmissverständlich. Künftig sollten die Radiomacher nur noch Gospelmusik und Predigten senden und allenfalls über lokale Themen berichten, verfügte die Regierung des Bundesstaates Western Bahr el Ghazal. Sollte „Voice of Hope“ weiter Nachrichten aus anderen Bundesstaaten bringen und insbesondere über die Opposition berichten, werde der Sender sofort geschlossen. „Voice of Hope“ ist in dem westlichsten Bundesstaat des Südsudan der einzige unabhängige Sender. Zachariah rechtfertigt sein Vorgehen mit dem neuen Mediengesetz, das seit Anfang September in Kraft ist und staatlichen Stellen stärkere Kontrollmöglichkeiten über die Medien einräumt.

Nicht zum ersten Mal wird in dem noch jungen Land ein katholischer Sender geschlossen. In der Hauptstadt Juba durfte im Sommer Radio „Bakhita FM“ nicht mehr senden, nachdem die Redaktion über Unruhen in Bentiu im nördlichen Bundesstaat Unity berichtet hatte. Zwar gaben die nationalen Sicherheitskräfte der Redaktion Mitte September die Schlüssel wieder zurück, machten ihr aber zur Auflage, nur noch über religiöse Themen zu berichten. Der zuständige Bischof Paulino Lokudu von Juba beschloss daraufhin, die Radiostation solange geschlossen zu halten, bis die Situation geklärt und die Pressefreiheit wiederhergestellt sei.

Kirchliche Radiosender sind oft die einzige Nachrichtenquelle

„Voice of Hope“ und „Bakhita FM“ sind Teil des katholischen Radionetzwerks CRN, das 2006 von der Sudanesischen Bischofskonferenz und dem Comboni-Missionsinstitut gegründet wurde. Insgesamt neun Radiosender gehören ihm an. Sie beziehen ihre Informationen aus einer zentralen Nachrichtenredaktion in Juba und unterhalten ein gemeinsames Fortbildungszentrum.

Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ beobachtet mit Sorge die Medienpolitik im Südsudan. Offensichtlich seien die katholischen Sender derzeit eine bevorzugte Zielscheibe der südsudanesischen Behörden. „Vielleicht gehört es nicht zu den vordringlichsten Aufgaben von kirchlichen Radiosendern, über politische oder Sicherheitsthemen zu berichten. Diese Berichterstattung aber komplett zu verbieten ist unzumutbar“, sagt die Afrikareferentin von „Reporter ohne Grenzen“, Cléa Kahn-Sriber. Darüber hinaus seien die kirchlichen Radiosender in der kargen Medienlandschaft des Südsudan für viele Menschen oft die einzige Nachrichten- und Informationsquelle. „Indem sie diese verbietet, begeht die Regierung einen inakzeptablen Akt der Zensur.”

erschienen in Ausgabe 11 / 2014: Der Glaube und das Geld

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