Fabrikbrand: Zwei Jahre nach Tazreen-Fashion

Mehr als 100 Menschen starben vor zwei Jahren bei einem Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch. Bis heute drücken sich die meisten Textilhändler vor ihrer Verantwortung für die Opfer. Ein Unternehmen zeigt, dass es auch anders geht.

Am Abend des 24. November 2012 verwandelte sich die Textilfabrik Tazreen Fashion in einem Vorort von Dhaka in ein Massengrab. Mindestens 120 Menschen kamen in den Flammen durch Verletzungen beim Sprung aus einem Fenster ums Leben, rund 200 wurden teils schwer verletzt. Die meisten von ihnen waren junge Frauen.  

Zwei Jahre später warteten noch immer viele Angehörige und Opfer auf eine angemessene Entschädigung, kritisiert Gisela Burckhardt von der Frauenrechtsorganisation FEMNET. Die Regierung in Bangladesch und die einkaufenden Firmen sollten endlich Verantwortung übernehmen.

Bislang leisteten erst zwei Einkäufer Entschädigungszahlungen, Li and Fung aus Hongkong und C&A. Nach eigenen Angaben hat das belgisch-deutsche Unternehmen bislang mit rund 270.000 Euro Hinterbliebene und Opfer entschädigt. Zum zweiten Jahrestag der Brandkatastrophe hat C&A nun weitere Zahlungen angekündigt. Gemeinsam mit der Gewerkschaft IndustriAll und der Kampagne für saubere Kleidung  will das Unternehmen  ein umfassendes System für die Entschädigung aller Betroffenen entwickeln. Dafür soll ähnlich wie im Fall des Unglücks von Rana Plaza ein Entschädigungsfond für die Opfer geschaffen werden.

Der Textildiscounter KiK weist die Verantwortung für den Brand zurück

Die Kampagne für saubere Kleidung fordert, dass andere Firmen dem Beispiel folgen und sich an einem Fonds beteiligen. Die Chancen dafür stehen allerdings nicht allzu gut. Human Rights Watch zufolge weigern sich 14 internationale Konzerne, Verantwortung für den Brand zu übernehmen, obwohl sie nachweislich mit Tazreen Fashion, beziehungsweise der Muttergesellschaft Tabu, Geschäfte gemacht haben. Aktivisten hatten in der Brandruine Labels und Kleidungsstücke verschiedener Modemarken gefunden, darunter der deutsche Händler KiK.

Der Textildiscounter hat den Vorwurf der Mitverantwortung wiederholt zurückgewiesen. Nach einer Überprüfung der Fabrik habe man schon 2011 die Geschäftsbeziehungen mit der Tabu-Gruppe eingestellt. Dieser Darstellung folgte auch die Nationale Kontaktstelle der OECD-Leitsätze für internationale Unternehmen. Die Kontaktstelle hatte sich auf Beschwerde des Grünen-Politikers Uwe Kekeritz eingeschalt und vermittelt. In dem Mitte November vorgelegten Abschlussbericht wird jedoch für KiK  keine Verpflichtung gesehen, Entschädigungen zu zahlen. 

„Der Brand hat mich vernichtet“

Burckardt kritisiert den Ausgang des Beschwerdeverfahrens: „Wenn Kik seine Produzenten vor Auftragsvergabe geprüft hätte, wie es immer vorgegeben wird, dann hätten die fehlenden Fluchtausgänge auffallen müssen.“ Das Feuer hätte auch ausbrechen können, als der Discounter dort noch fertigen ließ, sagt Burckhardt. Was die Brandkatastrophe für die Opfer bedeutet, schildert Burckhardt in ihrem aktuellen Buch „Todschick“. Darin zitiert sie eine Überlebende: „Der Brand in der Tazreen-Fabrik hat mich vernichtet. Ich habe gebrochene Rippen und Glieder, sogar eine Fraktur im Kopf. Mein 16-jähriger Sohn arbeitet nun in einer Textilfabrik als Helfer und verdient für die Familie. Nach dem Unglück hat mein Mann eine jüngere Frau geheiratet, die Geld verdienen kann.“

Auch auf eine Bestrafung der  mutmaßlichen Verantwortlichen in Bangladesch müssen die Opfer weiter warten. Nach dem Brand hatten Überlebende berichtetet, dass Aufseher den Feueralarm zunächst als Übung abgetan und sie am Verlassen des Arbeitsplatzes gehindert hätten. Zudem waren weder Notausgänge noch Feuerleitern angebracht, obwohl dies zuvor in Prüfungen bemängelt wurde. Ermittlungen zeigten später, dass es für das neunstöckige Gebäude nur eine Genehmigung für drei Etagen gegeben hatte.

Im Dezember 2013 erhoben die Behörden Anklage wegen fahrlässiger Tötung gegen 13 Personen, darunter der Besitzer der Tabu-Gruppe, Delwar Hossain. Der Prozess läuft noch. Hossain konnte sich mehrfach aus der Haft freikaufen, zuletzt im August dieses Jahres. Gewerkschaften warfen ihm vor, die Justiz mit der Zurückhaltung ausstehender Lohnzahlungen zu erpressen.

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