Neue Antworten auf den Terror gefordert

(31.03.2015) Der islamistische Terror in Afrika wird in erster Linie als globale Bedrohung gesehen – und auch so bekämpft. Das sei ein gefährlicher Irrtum, sagen Experten der Stiftung Wissenschaft und Politik.

In einer neuen Studie heben sie vor allem die lokalen Wurzeln von Gruppen wie Al-Shabaab (Somalia), Boko Haram (Nigeria) und Al-Qaida (Algerien) hervor. Wer sie verstehen und bekämpfen wolle, müsse sich mit den spezifischen Verhältnissen in diesen Ländern befassen, schreiben Guido Steinberg und Annette Weber. In Politik und Wissenschaft würden die überregionalen und globalen Aspekte des Dschihadismus betont, während seine Verankerung vor Ort unterschätzt werde.

Die Rede von einem „afrikanischen Krisenbogen“ von Ostafrika über Mauretanien und Tunesien bis Nordnigeria diene dazu, eine westliche Terrorbekämpfung zu legitimieren, die sich „später oft als verfehlt erweist“. Die einseitige Konzentration auf militärische Mittel habe die dschihadistischen Bewegungen in Somalia, Kenia und Nigeria bislang eher zusätzlich mobilisiert.

In mehreren Beiträgen der Studie wird die Lage in einzelnen Ländern wie Somalia, Tunesien, Algerien und Libyen analysiert. Dabei zeigt sich, wie politische, wirtschaftliche und soziale Marginalisierung die Radikalisierung fördert. In Nigeria und Mali wehren sich die nördlichen Landesteile dagegen, von den Zentralregierungen vernachlässigt zu werden. In Nordafrika nehmen arbeits- und perspektivlose junge Männer den Kampf gegen die Gesellschaft auf.

Die Autoren werten dies als Hinweis darauf, dass Ansätze wie die Stärkung der Sicherheitskräfte der Zentralregierung das Problem verschärfen können. Zwar sei es unabdingbar, die Sicherheitslage durch Polizeiarbeit zu verbessern – darauf dürfe man sich jedoch nicht beschränken.

Insbesondere in Afrika südlich der Sahara müssten regionale Ungleichgewichte beseitigt und dezentrale Lösungen für Gebiete gefunden werden, in denen die Dschihadisten besonders stark sind. Der Aufbau von Rechtsstaatlichkeit, der Justizsysteme sowie der sozialen Dienste sollten vorrangig gefördert werden. (gka)

Neuen Kommentar schreiben