Fortschritte beim Textilbündnis

(22.04.2015). Rund sechs Monate nach Gründung des Textilbündnisses für bessere Öko- und Sozialstandards in ärmeren Ländern gehen die Verbände der deutschen Bekleidungsindustrie auf die Initiative zu. Wie das Entwicklungsministerium mitteilte, wurde ein gemeinsamer Aktionsplan mit der Textilwirtschaft erstellt.

Die reichen Industriestaaten müssten ihrer Verantwortung gegenüber den Entwicklungsländer auch am Markt gerecht werden, betonte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU). "Wir müssen unsere ökologischen und sozialen Standards auch in diesen Ländern umsetzen."

Die Einigung sei "der Anfang eines Weges", sagte der Minister. Vom Baumwollfeld bis zum Kleiderbügel gebe es viele komplizierte Produktionsschritte. Man werde nun gemeinsam mit der Wirtschaft die Details besprechen, wie die Standards umgesetzt und eingehalten werden können. Konkrete Ziele oder Termine wurden nicht festgelegt.

Der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie, der Handelsverband Deutschland (HDE) und weitere Branchenorganisationen wollen nun bei ihren Mitgliedsfirmen für das Textilbündnis werben. "Voraussetzung für einen breiten Beitritt der Wirtschaft ist ein gemeinsamer Bündnisgeist", betonte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser. "Nur im Schulterschluss aller Akteure kann das Bündnis in den Produktionsländern etwas bewegen."

Unternehmen fordern internationale Ausrichtung des Bündnisses

Unternehmen könnten keine hoheitlichen Aufgaben des Staates oder der Tarifpartner übernehmen, sagte Sanktjohanser. Eine konsequent internationale Ausrichtung des Textilbündnisses sei notwendig, um Nachteile für deutsche Betriebe im internationalen Wettbewerb zu verhindern. "Nachhaltige Lieferketten gibt es nicht zum Nulltarif", sagte er.

Das Textilbündnis war im Oktober 2014 gegründet worden und hat derzeit rund 70 Mitglieder, darunter viele Hilfsorganisationen. Anstoß war das Fabrikunglück von Rana Plaza in Bangladesch. Beim Einsturz des mehrgeschossigen Gebäudes am 24. April 2013 kamen etwa 1.200 Textilbeschäftigte ums Leben. Menschenrechtler und Oppositionsparteien in Deutschland kritisieren, dass die Verbände aus Handel und Industrie sich bisher nicht am Textilbündnis beteiligten und nur freiwillige Verpflichtungen vereinbart wurden.

Vor Nachteilen für deutsche Unternehmen durch verbindliche Standards warnte auch die Präsidentin von textil+mode, Ingeborg Neumann. "Das Engagement im Bündnis darf nicht zu einer Wettbewerbsverzerrung führen", sagte die Vertreterin der Bekleidungsindustrie. Die Branche stehe unter Preisdruck, daher müsse das Bündnis freiwillig bleiben.

Aktivisten: Aktionsplan ist guter Ausgangspunkt

Arbeitsrechtsaktivisten wie Berndt Hinzmann von der Kampagne für Saubere Kleidung werten die Einigung auf den Aktionsplan als guten Ausgangspunkt. "Es besteht die klare Positionierung der Wirtschaft und der Industrie, dass sich etwas ändert", sagte er. Der Geist des Bündnisses müsse von allen Vertretern gepflegt werden.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch bemängelte unterdessen weiter schlechte Arbeitsbedingungen in Bangladesch. "Wenn die Regierung in Bangladesch ein zweites Rana Plaza verhindern will, muss sie das Arbeitsrecht durchsetzen und sicherstellen, dass die Textilarbeiter ihre Bedenken über Sicherheit und Arbeitsbedingungen äußern können", betonte Asien-Experte Phil Robertson. Ausländische Unternehmen, die in Bangladesch einkaufen, müssten Maßnahmen ergreifen, mit denen sie Verstöße gegen Vorschriften tatsächlich aufdecken könnten. (epd)

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