Fachwissen besser nutzen

(11.05.2015) In der Schweiz herrscht wie in Deutschland ein Mangel an Fachkräften. Hochqualifizierte Migranten könnten helfen, den Bedarf zu decken, zeigt eine Studie des Hilfswerks der evangelischen Kirchen Schweiz (HEKS).

Seit der Annahme der Zuwanderungsinitiative vor anderthalb Jahren wird in der Schweiz über das Potenzial inländischer Arbeitskräfte diskutiert. Die Initiative der SVP fordert, dass Schweizer sowie legal hier lebende Migranten bei der Einstellung bevorzugt werden. Doch im Gesundheitswesen, in Ingenieursberufen oder bei Informatikunternehmen fehlen qualifizierte Bewerber. Schweizer Unternehmen zählen derzeit vor allem auf Frauen und ältere Arbeitnehmer, um die Lücke zu schließen.

Bei den Migranten jedoch denkt man in erster Line an die Qualifizierung von weniger gut Ausgebildeten. Dabei leben in der Schweiz rund 50.000 hochqualifizierte Zuwanderer aus nicht-europäischen Ländern, rund 42 Prozent haben einen Hochschulabschluss. Doch sie erscheinen nicht auf dem Radar der Personalverantwortlichen. Die Studie im Auftrag des HEKS kommt zu dem Schluss, dass hier viel Potenzial brachliegt.

Dies sei ein „Versäumnis“, denn „gerade diese Personen stellen eine große, ungenutzte Ressource gegen den drohenden Fachkräftemangel dar“, heißt es in der Studie. Meist seien die Menschen, die im Rahmen einer Heirat, eines Familiennachzugs oder als Flüchtlinge in die Schweiz gekommen sind, arbeitslos. Oder sie arbeiteten in Berufen, für die sie deutlich überqualifiziert sind. Deshalb hat das HEKS Unternehmen zu Hindernissen und möglichen Hilfen befragt.

Die Studie zeigt, dass Firmen grundsätzlich Interesse an hochqualifizierten Zuwanderern haben. Eine Hürde seien jedoch fehlende Sprachkenntnisse. Zudem seien Unternehmen unsicher bei der Interpretation ausländischer Diplome. Erwähnt werden auch bürokratische Hindernisse, etwa für eine Arbeitsbewilligung, sowie mögliche Konflikte aufgrund kultureller Differenzen in der Belegschaft.

Laut HEKS zufolge wären drei der Hindernisse relativ leicht zu beheben. Handlungsbedarf sieht das Hilfswerk vor allem bei der Vergleichbarkeit ausländischer und schweizerischer Zeugnisse und Ausbildungen. Es fordert die Einführung einer Datenbank, die die Anerkennungspraxis erleichtert und vereinheitlicht – anlog zu Deutschland, wo ein solches Informationsportal zur Bewertung und Einstufung ausländischer Abschlüsse in das deutsche Bildungssystem bereits existiert. Derzeit ist die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen und Diplome mühselig und zudem kostenpflichtig.

 

erschienen in Ausgabe 6 / 2015: Indien: Großmacht im Wartestand

Neuen Kommentar schreiben