Lateinamerika-Institut
Lateinamerika-Institut

Vorerst gerettet

Ende Mai hat das österreichische Lateinamerika-Institut (LAI) sein 50-jähriges Bestehen gefeiert. Der ecuadorianische Ex-Bergbauminister Alberto Acosta kam angereist, der Wiener Bürgermeister lud zu einem Empfang im Rathauskeller. Die wenigsten wussten, dass die Freudenfeier beinahe gleichzeitig zum Abgesang auf das traditionsreiche Institut geworden wäre.

Das LAI veranstaltet Sprachkurse für Spanisch und brasilianisches Portugiesisch, in früheren Jahren wurden auch die Indianersprachen Ketschua und Nahuatl angeboten. Jetzt gibt es zusätzlich Deutsch als Fremdsprache – eine Schulung, für die großer Bedarf besteht, seit das österreichische Ausländergesetz für den geregelten Aufenthalt ein bestimmtes Niveau an Sprachkenntnissen voraussetzt.

Das Institut organisiert zudem einen interdisziplinären  Universitätslehrgang für Lateinamerika-Studien an der Uni Wien, bei dem man einen Master of Arts in Latin American Studies  erwerben kann. Die Jahrestagung der Lateinamerikaforschung Austria, die immer im Juni in Strobl am Wolfgangsee stattfindet, ist Treffpunkt und Informationsbörse für Lateinamerikaforscher und Interessierte aller Generationen.

Aber das LAI, das aus der Privatinitiative eines ehemaligen Konsuls hervorgegangen ist, war immer unterfinanziert. Die Sprachkurse, die im Laufe der Jahrzehnte eine stattliche Anzahl an Kulturinteressierten für Besuche in Lateinamerika fit gemacht haben, funktionieren nicht kostendeckend, und die öffentlichen Fördermittel wurden immer knapper. Seine Aufgabe, die lateinamerikanische Kultur in Österreich populär zu machen, konnte das Institut deshalb nur dank der Zusammenarbeit mit den verschiedenen Partnern wie Botschaften oder Entwicklungsorganisationen erfüllen.

Die neue Geschäftsführung rief zur Krisensitzung

Deswegen war es ein nahezu tödlicher Schlag, als der Arbeitsmarktservice (AMS), die österreichische Agentur für Arbeit, der immer wieder Arbeitsuchende zu Qualifizierungskursen ans LAI schickt, seine Subventionen plötzlich einstellte. Es drohte die Insolvenz. Da das Institut als gemeinnütziger Verein konstituiert ist, wäre der Verlust in mittlerer fünfstelliger Höhe an den aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft rekrutierten Vorstandsmitgliedern hängengeblieben. Einzelne Mitglieder verschickten bereits Spendenaufrufe.

Die neuen Geschäftsführerinnen Petra Kreinecker und Andrea Eberl, die erst zu Jahresbeginn ihre Büros bezogen hatten, mussten eine Krisensitzung nach der anderen einberufen. Dass drei Mitglieder des 16-köpfigen Vorstands ihren Rücktritt ankündigten, machte die Sache nicht besser. Dank einer verständnisvollen Bank führte ein Liquiditätsengpass aber nicht direkt in den Konkurs. Und durch maßvollen Personalabbau konnte ein Finanzplan entwickelt werden, der das Überleben der traditionsreichen Institution garantiert. Die von Sponsoren finanzierte Jubiläumsfeier am 29. Mai konnte daher bereits in entspannter Atmosphäre stattfinden.

Eine während der Krise aufgeflammte Diskussion im Umfeld des Instituts ist damit aber nicht verebbt. Es wurde die Frage aufgeworfen, ob die prekäre Lage des Lateinamerika-Instituts auch mit seiner einseitigen politischen Richtung zusammenhänge. Trotz der Bemühungen der Geschäftsführung, sich politisch möglichst breit zu positionieren, und trotz der pluralistischen Zusammensetzung des Vorstands gilt das Institut als parteipolitische Spielwiese der konservativen ÖVP. Johann Farnleitner, ein 76-jähriger ehemaliger Wirtschaftsminister, folgte 2002 als Präsident einer Reihe anderer ausgedienter ÖVP-Politiker, die vorher kaum mit Lateinamerika zu tun hatten.

erschienen in Ausgabe 7 / 2015: Den Frieden fördern, nicht den Krieg

Kommentare

Unsinn, die ersten Deutschkurse gab es im Lateinamerika-Institut bereits vor ca. 5 Jahren.

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