DED-Freundeskreis

Auftakt der Süd-Nord Komponente des Freiwilligendienstes "weltwärts". Kommt demnächst ein ähnliches Programm für Fachkräfte?

DED-Freundeskreis

Weltwärts für Fachkräfte

Frühere Entwicklungshelfer wollen ein internationales Austauschprogramm für Fachkräfte aus Ländern des Südens und des Nordens ins Leben rufen. Die Initiatoren hoffen, dass das Entwicklungsministerium das Vorhaben mitfinanziert.

„Austausch international engagierter Fachkräfte“, kurz AIEF, lautet der Name des geplanten Programms. Die Idee stammt vom DED-Freundeskreis, den Ehemalige des Deutschen Entwicklungsdienstes 2007 gegründet haben. „Beim AIEF geht es nicht um die klassische Entsendung von Personal, um den Armen zu helfen“, sagt Gründungsmitglied Günter Könsgen. Vielmehr soll das Programm die Zivilgesellschaft und globale Partnerschaften stärken – ganz im Sinne der Nachhaltigkeitsziele.

Bereits im März 2014 hatte der DED-Freundeskreis sich mit seinem Anliegen an das Entwicklungsministerium gewendet. Drei Jahre nach der Eingliederung des DED in die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) zeige sich, dass die „Wachstumsorientierung des Unternehmens GIZ“ mit „seinen staatsnahen ,Top Down‘ Beratungsansätzen“ im Widerspruch zu einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit stehe, hieß es in dem Schreiben an das Entwicklungsministerium. Passender für die internationale Bildungsarbeit sei ein Dienst nach dem Vorbild des 2008 gegründeten weltwärts-Freiwilligenprogramms. Seit dem vergangenen Jahr können im Rahmen von weltwärts auch junge Freiwillige aus Entwicklungsländern nach Deutschland kommen; ein ähnlicher Austausch sei auch für Fachkräfte wünschenswert.

Der neue Dienst soll wie weltwärts zivilgesellschaftlich getragen und staatlich finanziert werden. Ein wichtiger Unterschied ist, dass im Rahmen des AIEF-Programms Partnerorganisationen, Kommunen und Verbände bei uns und im Süden Fachpersonal austauschen, erklärt Könsgen. Etwa zehn bis zwölf deutsche Organisationen und Initiativen wollen sich ihm zufolge bisher beteiligen, darunter der Deutsche Städte- und Gemeindebund, der Deutsche Volkshochschulverband und das Klima-Bündnis der europäischen Städte mit indigenen Völkern der Regenwälder.

Indigene könnten beim Waldschutz beraten

Thomas Brose vom Klima-Bündnis sagt: „Mit dem AIEF können traditionelle Rollenbilder der Entwicklungszusammenarbeit weiter aufgebrochen werden.“ Das europäische Netzwerk setzt sich für den Erhalt der Regenwälder ein; seine Partner sind indigene Kommunen in den Amazonas-Anrainerstaaten. Über deren Dachverband könnte ein Personalaustausch organisiert werden. Das hieße zum Beispiel: Deutsche Kommunen erhalten Beratung zu nachhaltigem Waldschutz, während sie umgekehrt Gemeinden im Amazonasbecken bei der Verwaltung oder Landnutzungsplanung unterstützten.

Das Programm orientiert sich am Ideal einer Entwicklungszusammenarbeit auf Augenhöhe. Zugleich soll es verloren gegangene Konzepte der Branche wieder stärker betonen. „Ehemalige Entwicklungshelfer bieten ihr Expertenwissen heute zunehmend auf dem freien Markt an – ohne zivilgesellschaftliche Bindung“, erklärt Könsgen. Das AIEF hingegen solle Anreiz schaffen, nach dem Einsatz wieder in den eigentlichen Beruf zurückzukehren – so wie es das Entwicklungshelfer-Gesetz von 1969 vorsieht. Auf diese Weise sei „gewährleistet, dass das neu erworbene Erfahrungswissen der fachlichen und institutionellen Stärkung der Zivilgesellschaft zugutekommt“, betont Könsgen

Die Dauer der Auslandseinsätze will Könsgen flexibel halten, zwischen zwei und 36 Monaten soll alles möglich sein. Doch auch für einen kurzen Austausch müssen Visa, Flüge sowie die Vor- und Nachbereitung organisiert werden. Dafür sollen Koordinierungsstellen bei Verbünden der Teilnehmerorganisationen eingerichtet werden, etwa beim Arbeitskreis Lernen und Helfen in Übersee.

Derzeit erhebt der DED-Freundeskreis mit Fragebögen den genauen Mittelbedarf der interessierten Organisationen. Die Ergebnisse wollen sie noch in diesem Jahr an das BMZ senden, denn bereits im nächsten Jahr soll die vierjährige Pilotphase starten. Auch wenn vieles noch unklar ist, ist Könsgen zuversichtlich, dass das neue Programm starten kann. Das AEIF ordne sich in die Zukunftscharta des BMZ ein. Darin heißt es unter anderem, es solle eine nationale Plattform aufgebaut werden, um internationale Partnerschaften von Städten zu fördern. Das neue Austauschprogramm könnte das schwammig formulierte Vorhaben mit Leben füllen.

erschienen in Ausgabe 10 / 2015: Gesundheit: Ohne Fachkräfte geht es nicht

Neuen Kommentar schreiben