Ackern ohne Lebensgefahr

Kampf gegen Landminen
Mosambik gilt jetzt als frei von Landminen. Wie hat der südostafrikanische Staat das in weniger als einem Vierteljahrhundert geschafft?

Als der Bürgerkrieg in Mosambik vor über 20 Jahren endete, lauerten im Boden Zehntausende Landminen. Nun hat sich das Land für minenfrei erklärt. Mehr als 171.000 der lebensgefährlichen Sprengfallen sind in dem südostafrikanischen Land beseitigt worden. Was hat zu dem Erfolg beigetragen?

Mosambik gehörte lange – zusammen mit Angola, Afghanistan, Kambodscha und Südsudan – zu den am stärksten verminten Ländern weltweit.  Aber die Entminung sei in Mosambik technisch einfacher gewesen als in anderen Ländern, meint Eva Maria Fischer von Handicap International. Die Hilfsorganisation war selbst mit 45 überwiegend lokalen und zum Entminen ausgebildeten Mitarbeitern an den Räumungsarbeiten beteiligt.

In Mosambik wurden dafür unterschiedliche Methoden angewendet: Minen wurden mit Metalldetektoren gesucht und per Hand entschärft oder vor Ort gesprengt; abgerichtete Hunde und Ratten spürten die Fallen auf, und mögliche Minenfelder wurden mit robusten Maschinen durchkämmt. Das geht nur auf geraden Flächen. In Mosambik seien die landschaftlichen Bedingungen meist günstig gewesen. „In anderen Ländern, wie im Dschungel von Kambodscha oder Laos, ist es viel schwieriger, Blindgänger zu finden“,  sagt Fischer.

Trotzdem waren die Räumungsarbeiten auch in Mosambik an vielen Stellen schwierig, schreibt die britische Zeitung The Guardian. Manche Regionen sind besonders sumpfig. Dort seien mehr Sprengkörper als erwartet im Laufe der Jahre fast einen Meter tief im Boden versunken. Außerdem mussten sich die Entminungs-Fachkräfte nationaler und internationaler Organisationen mit Metalldetektoren um mehr als 170 Hochspannungsmasten tasten. Das Problem: Die Elektrizität störte die sensiblen Minen-Detektoren.

Gute Planung zieht Spender an

Auch eine beständige Finanzierung hat zum Räumungserfolg in Mosambik beigetragen. Die internationale Organisation Halo Trust hat seit 1993 den größten Teil der Entminung übernommen. Dort hieß es, dass trotz eines Spendenrückgangs im Jahr 2007 die Spendenbereitschaft insgesamt überdurchschnittlich groß gewesen sei.

Für den Direktor des Nationalen Instituts für Minenräumung, Alberto Augusto, lag das vor allem an den guten politischen Voraussetzungen. Der Schlüssel zum Erfolg seien die genauen Vorgaben der Regierung Mosambiks gewesen. Die hat eine Übersicht erstellt, wie und wann welcher Landstrich entmint werden sollte. „Spender kommen überall dorthin, wo es einen klaren Plan gibt und wo sie den Wert des Geldes sehen können“, sagte Augusto dem Guardian. Rund 285 Millionen US-Dollar soll die Entminung insgesamt gekostet haben. Die Bundesregierung hat sie seit 2005 mit rund 260.000 Euro unterstützt.

Landminen in Mosambik sind die Überbleibsel von Konflikten in der jüngeren Geschichte des Landes. Von 1964 bis 1975 kämpfte es um die Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Portugal; anschließend kam es zu einem Bürgerkrieg zwischen 1977 und 1992, in dem von Südafrika unterstützte rechtsgerichtete Rebellen gegen die Regierung kämpften. Ganz abgeschlossen ist die Minenräumung in Mosambik trotz aller Erfolge noch nicht. Einige Landstriche müssen noch überprüft werden – das Grenzgebiet zu Simbabwe etwa, das wahrscheinlich vermint ist. Dennoch ist Mosambik für Eva Maria Fischer von Handicap International ein Beispiel dafür, wie eine erfolgreiche Entminung funktionieren kann, wenn die Voraussetzungen stimmen. Ein Patentrezept gebe es allerdings nicht.

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