Evangelische Entwicklungsarbeit
Evangelische Entwicklungsarbeit

„Auf einem guten Weg“

Tilman Henke ist Anfang September aus dem Vorstand des Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung ausgeschieden. Im Gespräch zieht er eine Bilanz der Fusion des Diakonischen Werkes der EKD mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst.

Sie haben Ihr Amt als Finanzvorstand des Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung vorzeitig aufgegeben. Es war von „grundsätzlich unterschiedlichen Auffassungen über die perspektivische Zusammenarbeit im Vorstand“ die Rede. Was verbirgt sich dahinter?
Mein Vertrag war bis Oktober 2016 befristet. Ich habe vor neun Jahren beim Evangelischen Entwicklungsdienst angefangen und die Fusion mit dem Diakonischen Werk der EKD war von Anfang an das zentrale Thema, das mich beschäftigt hat. Die Fusionsphase wurde in diesem Jahr erfolgreich abgeschlossen. Das ist der Beginn eines neuen Abschnitts für das Werk. Und für mich ist es die Gelegenheit, nach dieser großen und lohnenden Aufgabe noch einmal neu zu schauen.

Welche persönliche Bilanz ziehen Sie aus der Fusion?
Der größte und wichtigste Schritt für mich ist, dass sie stattgefunden hat. Natürlich: Dass man an einen Ort zusammenzieht, macht noch nicht alles besser. Aber wir sehen bereits jetzt bemerkenswerte Vorteile. Laut unserem jüngsten Synergiebericht sparen wir jährlich rund fünf Millionen Euro ein – etwa bei Dienstreisen, Gebäude- und Personalkosten. Das ist ungefähr 40 Prozent mehr, als wir ursprünglich geplant haben. Auch die Sichtbarkeit des Werkes hat sich verbessert. Der gemeinsame Standort in Berlin-Mitte erleichtert die Vernetzung mit anderen Organisationen und der Politik.

Welche inhaltlichen Synergien entstehen zwischen der deutschen Diakonie und dem Entwicklungswerk Brot für die Welt?
In der aktuellen Flüchtlingskrise etwa wenden wir uns gemeinsam mit abgestimmten Positionen an die Politik. Wir machen deutlich, dass man nicht nur mit der Situation der Flüchtlinge in Deutschland umgehen, sondern auch die Fluchtursachen bekämpfen muss. Das ist ja eine Kernaufgabe von Brot für die Welt: Den Menschen in ihrer Heimat ein würdiges und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Ob perspektivisch auch gemeinsame Projekte von Brot für die Welt und Diakonie Deutschland sinnvoll sind, muss ausprobiert werden. Auf jeden Fall müssen dann die jeweiligen finanziellen Zweckbindungen beachtet werden.

Wie sind die Unternehmenskulturen zusammengewachsen?
Ich denke, wir sind auf einem guten Weg, aber Kultur entwickelt sich langsam und langfristig. Das Werk für Diakonie und Entwicklung hat 700 Mitarbeitende, darunter viele neue Leute, weil wir durch den Umzug gut ein Drittel der ursprünglichen Beschäftigten verloren haben. Derzeit laufen verschiedene Sozialplanregelungen aus, und da werden einige noch einmal überlegen, ob sie bleiben. Ich schätze, es wird noch ein Jahr dauern, bis sich die Personalsituation beruhigt hat.

Wie gut steht Brot für die Welt finanziell da?
Die finanzielle Lage hat sich durch die Fusion deutlich verbessert. Brot für die Welt hat nun drei große Finanzquellen: Spenden, Kirchensteuern und staatliche Mittel. Die Spenden sind seit längerem relativ konstant, die Kirchensteuern stehen sicherer zur Verfügung, weil die Kirchen dem Werk nun einen festen Prozentsatz der Einnahmen zukommen lassen. Vor allem die staatlichen Mittel haben im vergangenen Jahrzehnt stark zugenommen. Das ist eine erfreuliche Anerkennung unserer Arbeit. 2016 werden es 60 Millionen mehr sein als 2006. Die finanzielle Situation von Brot für die Welt sieht auch mittelfristig gut aus.

Wie sehen Ihre persönlichen Zukunftspläne aus?
Konkrete Pläne habe ich noch nicht. Ich will mir bis zu einem Jahr Zeit nehmen, eine neue Perspektive zu entwickeln. Bislang war ich vor allem in den Bereichen Kirche, Diakonie und Entwicklungspolitik tätig. Und zu diesen Bereichen ist meine Nähe weiter am größten.

Das Gespräch führte Gesine Kauffmann.

erschienen in Ausgabe 11 / 2015: Blauhelme: Abmarsch ins Ungewisse

Kommentare

Sehr geehrte Damen und Herren,
Ihre erste Frage betrifft ausdrücklich die „grundsätzlich unterschiedlichen Auffassungen über die perspektivische Zusammenarbeit ...". Ausdrücklich fragen Sie noch: "Was verbirgt sich dahinter?"
Herr Henke gibt darauf k e i n e (!) Antwort; er weicht erkennbar mit einer privaten Perspektive aus. Ich will doch nicht wissen, dass er "noch einmal neu schauen" kann, sondern welche unterschiedlichen Auffassungen da bestehen!
Seine Antwort ist eine Missachtung jedes auch nur einigermaßen aufmerksamen Lesers. Eine derartige Behandlung sind wir zur Genüge von den "Mächtigen" (in der Politik oder der Wirtschaft) gewöhnt. Bitte dasselbe nicht auch noch von der viel gelobten Zivilgesellschaft.
Und Sie lassen ihm das durchgehen, ohne auch nur einmal ernsthaft nachzufragen. Auch nicht gerade ein Glanzlicht journalistischer Arbeit.
Vielleicht befassen Sie sich einmal intensiver mit dieser Fusion. Der Eindruck kann trügen: EED´ler sind nur noch verschwindend gering zu finden; mit Herrn Henke geht ein weiterer EED´ler ... Klarheit wäre jedenfalls besser als Verschweigen und Ausweichen - das nährt Skepsis und Verdacht.
Mit freundlichen Grüßen
Cay Gabbe

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