Schweinereien im Abendland

Reife Leistung
Die selbst ernannten Retter des Abendlands wollen nun auch noch die deutsche Esskultur verteidigen. Na, dann guten Appetit!

Der Muslim kommt, das Schwein geht. In Finsterdeutschland wird gerade mal wieder eine neue Sau durchs Dorf getrieben: Immer mehr Kindertagesstätten streichen Schweinefleisch von ihren Speiseplänen, von Flensburg bis Passau, von Stuttgart bis Dresden. Vor allem aus gesundheitlichen und geschmacklichen Gründen, beteuern die meisten Kita-Betreiber.

Wer’s glaubt, ist ein Opfer der Lügenpresse: Der Islam steckt dahinter und eine falsche Toleranz, wissen die selbst ernannten Retter deutscher Werte und Kultur – und fordern, es der dänischen Stadt Randers nachzumachen: Der Stadtrat dort will sich diese Schweinerei nicht mehr gefallen lassen und hat angeordnet, dass alle öffentlichen Einrichtungen in ihren Kantinen Kotelett und Co servieren, auch wenn’s dem Muslim sauer aufstößt. Es gehe um die dänische Kultur, einschließlich der Esskultur.

Das ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: Zum einen ist ein Land, das seine Kultur mithilfe von Schweinemett und Rostbratwürsten verteidigen muss, ohnehin dem Untergang geweiht, ganz ohne islamische Invasion. Zum anderen weiß jeder Dänemark-Besucher, dass unsere wackeren Nachbarn im Norden alles Mögliche haben, aber bestimmt keine Esskultur.

Andererseits stimmt es ja: Es kann nicht sein, dass Julian, Charlotte und Paul in der Kita jetzt auch noch beim Essen Rücksicht nehmen müssen auf Mustafa, Ahmed und Fatima. Wir sind ein freies Land, wo jeder essen darf, was er will – und nicht nur das, was irgendein Prophet oder heiliges Buch für bekömmlich halten. Das gilt dann aber auch für die Ernährungsratgeber müslimampfender Mittelschichteltern. Sollen die Kinder doch selbst entscheiden, auch wenn es morgens, mittags und abends auf Kuchen, Cola und Cornflakes hinausläuft. Und auch auf die Gefahr hin, dass das den Mamas und Papas von Julian, Charlotte und Paul gehörig auf den Magen schlägt.

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erschienen in Ausgabe 3 / 2016: Flucht und Migration: Dahin, wo es besser ist
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