Süd-Nord- Komponente von weltwärts

2014 kamen die ersten Freiwilligen über das weltwärts-Programm nach Deutschland.

Süd-Nord- Komponente von weltwärts

Überwältigt vom eigenen Erfolg

Die Nachfrage nach einem weltwärts-Freiwilligendienst in Deutschland wächst. Die an dem Programm beteiligten Organisationen in Deutschland und den Partnerländern stoßen zunehmend an die Grenzen ihrer Kapazität.

Rund 600 junge Menschen werden in diesem Jahr mit der Süd-Nord-Komponente des entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes weltwärts nach Deutschland kommen. Das sind mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. 2017 soll die Zahl der Freiwilligen auf über 800 wachsen. Man gehe in Zukunft von einem stetigen, aber mäßigen Anstieg aus, sagt Bernhard Felmberg, der stellvertretende Abteilungsleiter für die Zivilgesellschaft im Entwicklungsministerium (BMZ).

Der Süd-Nord-Austausch war 2014 mit 150 Freiwilligen gestartet, die von 36 verschiedenen Organisationen in Deutschland vermittelt wurden. Der steigende Andrang scheint die Aufnahmekapazitäten der hiesigen Organisationen zunehmend zu strapazieren: „Die Strukturen für die Umsetzung entstehen erst Schritt für Schritt“, sagt Felmberg. Möglicherweise könne man künftig mit einem größeren Kreis von Organisationen zum Jugendaustausch kooperieren. Bisher müssen Träger aufgrund ihrer Gemeinnützigkeit und entwicklungspolitischen Orientierung anerkannt werden.

Das Programm steckt noch in der Pilotphase und soll bis Ende des Jahres evaluiert werden. Dabei sollen auch die Erfahrungen aus der Entsendung von deutschen Freiwilligen in die Partnerländer einfließen, etwa mit Blick auf die Qualitätssicherung bei der Auswahl der Einsatzplätze und der pädagogischen Betreuung. Unter dem Dach von weltwärts haben seit 2008 rund 26.000 deutsche Jugendliche Freiwilligendienste in 80 Ländern absolviert.   

Auch rassistische Vorfälle sind ein Problem

Was der Rollentausch für die an der Süd-Nord-Komponente beteiligten Organisationen bedeutet, war Thema einer Konferenz Mitte Mai in Berlin. Die deutschen Organisationen, die zuvor in erster Linie für die Auswahl und Entsendung zuständig waren, müssen sich jetzt auch um die angemessene Betreuung der jungen Gäste kümmern. Diese Aufgabe habe sie selbst unterschätzt, sagte Barbara Reutelsterz vom Bistum Limburg. Neben der Suche nach freien Plätzen in sozialen Einrichtungen müssten die Träger den Jugendlichen, die anfangs meist kein Deutsch sprechen, auch alltägliche Dinge vermitteln wie den Umgang mit einem Bankkonto oder die Nutzung des Nahverkehrs, sagte Reutelsterz. Ein Problem seien auch rassistische Vorfälle, die es aufzuarbeiten gelte.

Wie groß die Nachfrage im Süden ist, schilderten Vertreter von Entsendeorganisationen aus Indien und Kolumbien. Demnach bewerben sich auf jeden freien Platz mehrere Hundert junge Frauen und Männer. Für den aufwändigen Auswahlprozess sowie die Vor- und Nachbereitung der Aufenthalte sei eine stärkere finanzielle Unterstützung wünschenswert, hieß es von Seiten der Organisationen.  

Das BMZ stellt 2016 rund sieben Millionen Euro für die Süd-Nord-Komponente bereit. Die deutschen Partner müssen 25 Prozent Eigen- oder Drittmittel einbringen. Die Beiträge an die Organisationen in den Herkunftsländern sind unterschiedlich hoch. Künftig soll auch dort versucht werden, Mittel über Fundraising einzuwerben, unter anderem bei Unternehmen. Insgesamt sind derzeit 66 deutsche Träger sowie 245 Entsendeorganisationen an dem Süd-Nord-Austausch beteiligt. Die wichtigsten Ausreisländer waren 2015 Tansania, Uganda, Peru und Nicaragua mit jeweils rund 20 Freiwilligen.

erschienen in Ausgabe 6 / 2016: Neue Chancen für die Kurden

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