Holzindustrie
Holzindustrie

Geschäfte mit Milizen

Der Bürgerkrieg in der Zentralafrikanischen Republik hat die Geschäfte der Holzindustrie nicht gestört. Im Gegenteil: Die Exporte sind kräftig gestiegen. Ein Bericht zeigt, wer der größte Abnehmer ist.

Bürgerkrieg und Chaos in der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) haben die Geschäfte der Holzindustrie nicht gestört. Im Gegenteil: Die Holzexporte sind seit dem Sturz der Regierung Anfang 2013 kräftig gestiegen, stellt die Organisation Global Witness in einem Bericht fest. Schlimmer noch: Die Holzfirmen bezahlen demnach die kriegführenden Milizen dafür, dass sie ihre Einschlagplätze schützen und die Holztransporte an Straßenblockaden durchlassen. Das sind laut Global Witness mittlerweile die wichtigsten Einnahmequellen der sich bekämpfenden Milizen der Séléka und der Anti-Balaka. In der ZAR dominieren nur drei ausländische Unternehmen den gesamten Holzexport, zwei davon mit zumindest teilweise französischen Eigentümern. Der weitaus größte Teil der Holzexporte geht dem Bericht zufolge nach Europa.

Dies sei besonders peinlich, urteilt Global Witness, weil Frankreich und die EU Millionen Euro in den Aufbau der Holzindustrie der ZAR gesteckt haben und nun Firmen aus den eigenen Reihen Milizen finanzieren, die den Staat zugrunde richten. Die Vereinten Nationen haben die ZAR 2014 auf eine schwarze Liste gesetzt und Holzausfuhren von dort für illegal erklärt. Dennoch überlegt die EU-Kommission seit Frühjahr dieses Jahres, ob sie im Rahmen ihres Programms zur Eindämmung des illegalen Holzhandels die Zusammenarbeit mit der ZAR und den dort tätigen Firmen wieder aufnehmen soll. (hc)

erschienen in Ausgabe 10 / 2016: Welthandel: Vom Segen zur Gefahr?

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