Krise im Kongo
Krise im Kongo

Ein wenig hilfreicher Händedruck

Die katholische Bischofskonferenz in der Demokratischen Republik Kongo (CENCO) hat nach den blutigen Unruhen Mitte September ihre Teilnahme am nationalen Dialog beendet. Nur wenige Tage später lässt sich Papst Franziskus mit Präsident Joseph Kabila fotografieren.

Mit harschen Worten begründen die kongolesischen Bischöfe ihren vorläufigen Rückzug vom Runden Tisch des nationalen Dialogs. „Das Blut, das unsere unschuldigen Brüder und Schwestern für die Verfassung vergießen, macht uns betroffen “, heißt es in einer Erklärung der CENCO. Darin verurteilen sie die Gewalt der vorangegangenen Wochen „von welcher Seite sie auch kommt“ und  erinnern  alle Kongolesen daran, dass „sie keine Feinde, sondern Bürger desselben Staates sind“. Und schließlich fordern sie Präsident Kabila auf, offiziell zu erklären, dass er nach Ablauf seiner zweiten und damit verfassungsmäßig letzten Amtszeit Ende Dezember zurücktreten wird.  Diese Forderung stellt die Opposition schon lange, Kabila scheint bislang dafür taub zu sein.

Doch während die Bischöfe den Druck auf den Präsidenten erhöhen wollen, fällt ihnen ihr eigener Chef in den Rücken. Ende September  empfängt Papst Franziskus  Kabila im Vatikan und lässt sich mit ihm händeschüttelnd fotografieren. Nun kann man der Kurie zugutehalten, dass der Besuch Kabilas seit langem geplant  war. Viele im Kongo bedauern jedoch, dass sich der Vatikan  nach dem Gespräch nicht offiziell zu der schwierigen Lage in dem zentralafrikanischen Land geäußert hat.

Keine Rückendeckung aus Rom

Die Bischöfe hätten nach ihrem Rückzug vom Runden Tisch  Rückendeckung aus Rom brauchen können. Mit ihren Forderungen haben sie sich deutlich positioniert und teilweise der Opposition angeschlossen. „Das war keine einfache Entscheidung, weil die CENCO sich immer um politische Neutralität bemüht. Darin liegt auch ihre Stärke“, sagt Gesine Ames, Koordinatorin des Ökumenischen Netzes Zentralafrika (ÖNZ). Das Ansehen der CENCO sieht sie dennoch nicht geschwächt.

„Für die Menschen zählt mehr, was die katholische Kirche vor Ort sagt, und nicht so sehr, was aus dem fernen Rom kommt.“ Allzu oft hätten sie schon erleben müssen, wie der Kongo zum Spielball der internationalen Diplomatie wurde. Auch nehme die kongolesische Bevölkerung die  CENCO weiter als neutral wahr. „Die Bischöfe haben schon in der Vergangenheit eine klare Linie gefahren, immer mit allen Seiten gesprochen und sich für den demokratischen Prozess und für Gewaltfreiheit eingesetzt“, erklärt Ames.

Die Menschen vertrauen der Kirche

Mit diesem Credo steht die Katholische Kirche im Kongo nicht allein. Viele nichtstaatliche Organisationen fordern einen  demokratischen, gewaltfreien Weg. Sie geraten jedoch  zunehmend ins Visier der Regierung. Immer wieder werden Aktivisten verhaftet. Die katholische Kirche, zu der die Hälfte der Bevölkerung gehört, hat einen wesentlich stärkeren Einfluss, und das weiß die Regierung. „Nach wie vor vertrauen die Menschen einem katholischen Priester vor Ort mehr, als dem zuständigen Lokalpolitiker“, sagt Ames.

Zudem deckten die Kirchen mit ihren Schulen und Krankenhäusern einen Großteil der öffentlichen Dienste ab, die die Regierung nicht bereitstellt. „Kabila weiß, dass er es sich nicht mit der katholischen Kirche verderben darf. Umso hilfreicher wäre es gewesen, wenn der Vatikan etwas mehr Mut gezeigt hätte“, sagt Ames.

erschienen in Ausgabe 11 / 2016: Frauen: Gemeinsam stark

Neuen Kommentar schreiben