Gambias Ex-Innenminister

Killermaschine oder Opfer des Diktators?

Ousman Sonko, der ehemalige Innenminister Gambias, hat in der Schweiz Asyl beantragt. Dort haben ihn die Behörden verhaftet und ermitteln wegen des Verdachts auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Noch vor den Wahlen Anfang Dezember und dem heiklen Machtwechsel in Gambia hat der ehemalige Innenminister und Polizeichef des westafrikanischen Landes, Ousman Sonko, in der Schweiz um Asyl ersucht. Ousman Sonko hatte zuerst in Schweden Asyl beantragt. Da er sein Visum jedoch von der Schweizer Botschaft im Senegal für eine internationale Konferenz in Genf erhalten hat, ist die Schweiz gemäß Dublin-Abkommen auch zuständig für das Asylgesuch. Mitte November wurde Sonko in ein Asylzentrum im Kanton Bern überstellt.

Er hatte bei der Befragung angegeben, er sei von 2006 bis 2016 in Gambia unter dem abgewählten und mittlerweile selbst aus Gambia geflohenen Präsidenten Yahya Jammeh Innenminister gewesen. Jammeh habe ihn entlassen, danach sei er geflohen. Das gambische Onlinemedium „Freedom Newspaper“ schreibt von Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden und einem Haftbefehl gegen Sonko.

Die gambische Oppositionspartei United Democratic Party (UPD) hatte nach eigenen Angaben schon im September unter anderem Schweden, den Internationalen Strafgerichtshof und die Europäische Union vor Sonko gewarnt. Doch die Schweiz wurde erst Ende Januar aktiv, als die in Genf ansässige Menschenrechtsorganisation TRIAL International Strafanzeige gegen Sonko wegen schwerer Körperverletzung, Nötigung und Freiheitsberaubung einreichte. Am 26. Januar wurde Sonko festgenommen, seitdem sitzt er zunächst für drei Monate in Untersuchungshaft.

Fälle von Folter, Vergewaltigung und Entfühung

In der ersten Februarwoche übernahm die Bundesanwaltschaft den Fall, da der Verdacht auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit bestehe; es gelte die Unschuldsvermutung. Vor der Strafanzeige von TRIAL habe es keinen Grund gegeben, Sonko in Haft zu nehmen, heißt es aus der Bundesanwaltschaft. Die Behörden betonen jedoch, die Bedeutung des Falles von Anfang an erkannt und die zuständigen Stellen bei Bund und Kanton Bern rechtzeitig und sachgerecht informiert zu haben.

Gemäss UDP war Sonko Chef der Präsidentengarde von Jammeh und Generalinspektor bei der Polizei bevor er 2006 Innenminister wurde. Er soll in Fälle von Folter, Vergewaltigung, Entführung und Verschwindenlassen sowie in Tötungen von Oppositionellen und vermuteten Regimegegnern verwickelt gewesen sein. Sidi Sanneh, der 2007 entlassene und ins amerikanische Exil geflüchtete gambische Außenminister, nannte Sonko in einem Interview mit dem Schweizer Radio SRF die „Killermaschine“ des gambischen Diktators.

erschienen in Ausgabe 3 / 2017: Indigene Völker: Eingeboren und ausgegrenzt

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