Globale Bildungskampagne

Lernen trotz Krieg und Krisen

Bildung unter erschwerten Bedingungen: Flüchtlinge aus der Zentralafrikanischen Republik werden in einer Schule in Kamerun unterrichtet.
Wo Krisen ausbrechen, leidet die Schulbildung von Kindern und Jugendlichen. Deutsche Hilfsorganisationen kritisieren das Engagement der Bundesregierung und fordern, aus den Haushaltstöpfen für Not- und Übergangshilfe mindestens acht Prozent für Bildung zu reservieren.

Die Mitglieder der Globalen Bildungskampagne – darunter Plan, Unicef, Oxfam und Welthungerhilfe – haben das deutsche Engagement in dem Bericht „Bildung kann nicht warten“ analysiert. Es sei bislang schwer nachzuvollziehen, in welchem Umfang Bildung von Kindern und Jugendlichen in humanitärer Not überhaupt unterstützt wird. Zwar werde allmählich eine größere Notwendigkeit erkannt, dies sei jedoch „sehr eng an die Fluchtbewegungen aus Syrien angebunden“, heißt es in dem Bericht.

Erst im April versprach Deutschland für 2017 weitere 800 Millionen Euro für mehr Schulbesuche von syrischen Flüchtlingskindern, die Ausbildung von Jugendlichen und Jobs für Erwachsene, ohne jedoch weiter zu differenzieren. Einen Beleg für eine allgemeine Aufwertung der Bildung in Krisensituationen sieht das Bündnis nicht.

Millionen Geflüchtete und intern Vertriebene ohne Bildungschance 

Die Europäische Union (EU) hat ab 2017 bereits vier Prozent ihres humanitären Hilfsbudgets für Bildungsaufgaben zugesagt, Norwegen sogar doppelt so viel. Die globale Bildungskampagne sieht nun auch Deutschland am Zug, aus den Erkenntnissen des humanitären Weltgipfels von Istanbul im vergangenen Sommer Konsequenzen zu ziehen. Dabei gehe es auch darum, humanitäre Hilfe „aus einer Hand“ zu leisten. Die Bundesregierung müsse die Not- und Übergangshilfe zwischen dem Auswärtigen Amt und dem Entwicklungsministerium (BMZ) besser abstimmen.

Bislang würden Bildungsaufgaben überwiegend im BMZ verortet, eine engmaschige Koordinierung der Ressorts werde nicht „als zwingend notwendig angesehen“, wird in dem Bericht kritisiert. Folglich werde der Bildungsbedarf in Krisen „nicht angemessen wahrgenommen“. Da jedoch humanitäre Hilfe, die vom Auswärtigen Amt geleistet wird, in Notlagen zeitlich früher einsetze als Übergangshilfe, könne gerade sie längere Bildungslücken vermeiden helfen.

In 35 von Konflikten betroffenen Ländern haben laut dem Bericht 75 Millionen drei- bis 18-Jährige keine oder nur mangelhafte Bildungschancen, darunter 17 Millionen Geflüchtete und intern Vertriebene. Der Gipfel von Istanbul begründete daher die Initiative „Education Cannot Wait“, die globale Bildungsakteure zusammenführen und koordinierte Hilfsansätze aufzeigen soll. Berlin hat Unterstützung zugesagt, sieht aber noch Klärungsbedarf, was Mandat, Funktionsweise und Mehrwert betrifft.

Unicef bleibt, wenn andere gehen

Dagegen fordern die Autoren des Berichts, die Regierung könnte beispielsweise die Handlungsfähigkeit der Global Partnership for Education (GPE) stärken, die wegen ihrer weltweiten Tätigkeit als möglicher Manager der Initiative gehandelt wird. Die Angebote vor Ort sollten möglichst von einheimischen Akteuren verantwortet werden, um Parallelstrukturen zu vermeiden.

GPE-Direktorin  Alice Albright hatte vor kurzem in Berlin dargelegt, wie ihr Netzwerk in mehr als 60 Ländern in enger Kooperation mit Regierungsvertretern Bildungssysteme aufbaut. Zunehmend konzentriere sich das auf die ärmsten und fragilen Staaten. Wo Bildungsstrukturen aufgrund von Konflikten zusammengebrochen sind, finanziere die GPE oft die Kinderhilfsorganisation Unicef. „Die bleiben meist, wenn andere gehen“, sagte Albright. So werde etwa versucht, im Jemen oder der Zentralafrikanischen Republik Bildung am Leben zu erhalten. Der Tschad werde dabei unterstützt, nigerianische Flüchtlingskinder zu unterrichten, nachdem die Regierung bei anderen Organisationen vergeblich um Hilfe gebeten habe.

Laut dem Bericht  besucht nur jedes zweite geflüchtete Kind weltweit eine Grundschule und jeder vierte Jugendliche eine Sekundarschulstufe. Allerdings gebe es große Unterschiede. So würden in manchen Flüchtlingscamps in Ägypten, Iran und Jemen durchschnittlich acht von zehn Kindern eingeschult, aber nur vier von zehn in Pakistan oder sechs von zehn in Äthiopien. Auch Naturkatastrophen wie in Nepal wirken sich verheerend aus. Das UN-Büro für Disaster Risk Reduction hat 2012 errechnet, dass Katastrophen den Schulbesuch von rund 175 Millionen Kindern jährlich beeinträchtigen.

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