COP23

Land unter in Bonn

Wir gehen nicht unter - wir kämpfen: Das ist das Motto der Pacific Climate Warriors. Sie reisen auch zur COP 23 nach Bonn.
Der Klimawandel bedroht die Inselstaaten im Pazifik besonders stark. Die Weltklimakonferenz unter der Präsidentschaft von Fidschi muss neue Weichen für den Umgang mit Schäden und Verlusten stellen.

Dieses Bild bleibt: Vor gut acht Jahren versammelte sich die Regierung der Malediven zur Kabinettssitzung an einem hufeisenförmigen Tisch – auf dem Meeresgrund. In Taucheranzügen verabschiedeten Präsident Mohamed Nasheed und seine Minister einen dringenden Appell an die Welt: Sie müsse ihren Ausstoß an Kohlendioxid verringern, damit die Inselgruppe südwestlich von Sri Lanka bewohnbar bleibt. Wenn sich die Erde weiter erwärmt und der Meeresspiegel steigt, sind die Malediven besonders bedroht – und das gilt auch für Bangladesch und die Inselstaaten im Pazifik.

Dieses Jahr hat mit Fidschi zum ersten Mal ein Mitglied der Allianz der kleinen Inselstaaten den Vorsitz einer Weltklimakonferenz. Premierminister Josaia Voreqe Bainimarama wird vom 6. bis 17. November die internationalen Verhandlungen in Bonn leiten. Das ist eine gute Chance, der Welt vor Augen zu führen, wie dringend der gerechte Umgang mit klimabedingten Schäden und Verlusten geregelt werden muss. Bainimarama kann glaubhaft die Interessen all derer vertreten, die wegen Wirbelstürmen, Dürreperioden oder Überschwemmungen ihr Hab und Gut verloren haben, die am stärksten unter den Folgen des Klimawandels leiden und am wenigsten dafür können.

Bainimarama hat die verheerenden Auswirkungen der Erderwärmung selbst erlebt: Im Februar 2016 fegte der Zyklon Winston mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 285 Kilometern pro Stunde über Fidschi und richtete so schwere Schäden an, dass die Regierung alle Inseln zum Katastrophengebiet erklären musste. Ein Jahr zuvor hatte bereits der Zyklon Pam in der Region gewütet. Doch nicht nur Wirbelstürme machen den Fidschianern zu schaffen: Das Dorf Vunidogoloa an der Küste von Vanua Levo musste bergauf umgesiedelt werden, weil das Meer den Häusern und Feldern bedrohlich näher rückte. Ein Drittel der Kosten mussten die Dorfbewohner selbst bestreiten, zwei Drittel übernahm die Regierung.

Wer soll die Umsiedlungen finanzieren?

Ein „Präzedenzfall“ – doch wie sollen arme Staaten wie Bangladesch, Fidschi, Tuvalu oder Kiribati künftig solche Umsiedlungen finanzieren, wenn sie in größerem Stil erforderlich werden? Und wie werden die Menschen für den Verlust ihrer Häuser und ihrer Arbeit entschädigt – ganz zu schweigen vom Verlust der Gemeinschaft, der Identität, der Kultur, wenn sie gezwungen sind, ihren Kulturkreis zu verlassen? Seit der spektakulären Unterwassersitzung der maledivischen Regierung ist die Staatengemeinschaft bei den Fragen von „loss and damage“ zwar vorangekommen, doch entscheidende Schritte sind noch zu tun.

2013 wurde unter der UN-Klimarahmenkonvention eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die zu Schäden und Verlusten Informationen sammelt und Strategien etwa für ein besseres Risikomanagement entwickelt. Sie wird bei der Klimakonferenz in Bonn ihren Arbeitsplan für die nächsten fünf Jahre vorlegen. Allerdings ist sie finanziell schlecht ausgestattet und kann nur Empfehlungen aussprechen – durchsetzen kann sie nichts. Umwelt- und Entwicklungsorganisationen fordern deshalb, sie mit mehr Geld und mehr politischem Einfluss auszustatten. Das sollten die Delegierten in Bonn tun.

Fidschi bringt eine "Grüne Anleihe" auf den Markt

Fidschi hat als erstes Land das Pariser Klimaabkommen unterzeichnet und als Mitglied der Staatengruppe „Climate Vulnerable Forum“ entscheidend dazu beigetragen, dass den klimabedingten Schäden und Verlusten ein eigenes Kapitel in dem Vertrag gewidmet ist. Doch wie sie finanziell kompensiert werden sollen, ist nicht festgelegt – anders als bei der Anpassung an den Klimawandel, für die die Industrieländer bis 2020 eine Steigerung der Mittel auf jährlich 100 Milliarden US-Dollar zugesagt haben. Unter fidschianischer Präsidentschaft müsste bei den Verhandlungen in Bonn die Diskussion über neue Finanzierungslinien begonnen werden, mit denen die Opfer des Klimawandels entschädigt werden. Klimaversicherungen alleine reichen dafür nicht aus.

Premier Bainimarama hat schon einmal ein starkes Signal gesetzt: Er hat angekündigt, sein Inselstaat werde Anfang November als erstes Entwicklungsland eine „grüne Anleihe“ in Höhe von 50 Millionen US-Dollar auf den Markt bringen. Das Geld, das damit hereinkommt, solle für die Anpassung an den Klimawandel verwendet werden, betonte er, aber auch dafür, Fidschis Kohlendioxidemissionen zu verringern. Denn auch dazu sollte die Debatte über den Umgang mit den unvermeidlichen Verlusten, die der Klimawandel verursacht, genutzt werden: erneut klarzumachen, wie viel menschenfreundlicher – und günstiger – es ist, ihn so weit wie möglich zu vermeiden.

erschienen in Ausgabe 11 / 2017: Süd-Süd-Beziehungen: Manchmal beste Freunde

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