Der Geldfluss versiegt

Die Geberländer werden ihre Zusage, die Entwicklungshilfe bis 2010 im Vergleich zu 2004 um 50 Milliarden US-Dollar zu erhöhen, deutlich verfehlen. Zu diesem Schluss kommt der Jahresbericht 2009 des OECD-Entwicklungsausschusses. Dabei sind die Entwicklungsländer in der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise stärker denn je auf Finanzspritzen angewiesen.

Laut dem OECD-Entwicklungsausschuss (DAC) haben die 22 Geberländer der OECD 2007 rund 8,5 Prozent weniger für Entwicklungshilfe aufgewendet als im Jahr davor. Mit einem Gesamtaufkommen von 103,5 Milliarden US-Dollar sank der Anteil am gesamten Bruttoinlandsprodukt der Geberländer (ODA-Quote) auf 0,28 Prozent (2006: 0,31 Prozent). Zurückgegangen sind allerdings nur die Schuldenerlasse, während die übrige Hilfe laut OECD sogar leicht gestiegen ist.

Dennoch werden die Geberländer ihre Zusage vom G8-Gipfel 2005 in Gleneagles, die Entwicklungshilfe bis 2010 gegenüber 2004 um 50 Milliarden US-Dollar zu steigern, deutlich verfehlen, fürchtet der Entwicklungsausschuss der OECD. Unter den gegenwärtigen Krisenbedingungen ist unklar, ob und wie stark die Geber ihre Entwicklungsbudgets aufstocken wollen. Noch gilt zwar das deutsche Versprechen, die Entwicklungsleistungen bis zum Jahr 2011 um jährlich 750 Millionen Euro zu erhöhen. Doch aus mehreren OECD-Ländern, darunter Österreich (siehe Seite 54), kommen bereits deutliche Signale, sich angesichts eigener Nöte nicht mehr an frühere Versprechungen gebunden zu fühlen.

Die Krise trifft Ostasien besonders hart

Klar ist dagegen laut DAC-Report: Die Krise trifft längst auch die Entwicklungsländer. Wirtschaft und Handelsvolumen schrumpfen, die Einnahmen aus Rohstoffexporten gehen zurück, weniger Rücküberweisungen von Arbeitsmigranten im Ausland tun ein Übriges, die Entwicklungsländer in neue Not zu bringen.

Die Einschätzung deckt sich mit einer neuen Studie der Weltbank. Danach müssen die Entwicklungsländer in den kommenden Monaten mit Einbußen von 270 bis 700 Milliarden US-Dollar rechnen; besonders drastisch falle der Einbruch in Ostasien aus. Kredite seien schwerer als früher und nur zu wesentlich höheren Kosten zu beschaffen, was die Staatshaushalte belastet und das Wachstum hemmt (siehe auch den Beitrag zum Schuldenreport 2009 auf dieser Seite).

Weltbank-Präsident Robert B. Zoellick mahnte: „Diese Krise erfordert eine globale Lösung." Die Industrieländer sollten deshalb Teile ihrer Konjunkturprogramme auf die Entwicklungsländer ausrichten. Der frühere Weltbank-Chefökonom und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz forderte derweil auf einer Konferenz in Berlin eine Neuordnung des globalen Finanzsystems im Rahmen der Vereinten Nationen. Weltbank und Internationaler Währungsfonds, aber auch exklusive Clubs wie die G8 oder selbst die G20 seien hierfür nicht der rechte Ort.

Vorerst bleibt der Weltbank wie auch den Autoren des DAC-Berichtes nur übrig, an den guten Willen ihrer Mitglieder zu appellieren. Man möge nicht aus dem Blick verlieren, dass die Entwicklungszusammenarbeit „strategischer Teil einer erfolgreichen und stabilen Globalisierung ist, die für beide Seiten von Vorteil ist", sagte beschwörend der neue DAC-Vorsitzende und frühere deutsche Weltbank-Exekutivdirektor, Eckhard Deutscher, bei der Vorstellung des DAC-Reports.

Johannes Schradi

 

 

erschienen in Ausgabe 4 / 2009: Alte Menschen: Zu wenig geachtet