Bildungsgesetz
An einer Schule nahe ­Mumbai zeigen Kinder Arbeiten zum Thema Technik. Viele staatliche Schulen wie diese leiden unter Geldmangel.  
Bildungsgesetz

Weg von Schulen nur für Reiche

Indien hat Privatschulen gesetzlich verpflichtet, ärmere Kinder aufzunehmen. Davon profitieren auch die Zöglinge der Elite – aber geht das auf Kosten der staatlichen Schulen?

Der Bollywood-Film „Hindi Medium“ kam 2017 die indischen Kinos. Die Komödie mit Starbesetzung und ernsten Passagen wirft ein Schlaglicht auf die Reform des indischen Schulsystems: Sie erzählt die Geschichte eines reichen Elternpaars, das seine Tochter unbedingt an einer prestigeträchtigen Privatschule unterbringen will. Weil es dabei auf zahlreiche Hindernisse stößt, nutzt das Paar eine Bestimmung im wegweisenden Bildungsgesetz, dem Right to Education Act (RTE), die ein Viertel der Plätze an Privatschulen für Kinder aus weniger gut gestellten Familien reserviert. Um einen dieser Plätze zu bekommen, muss die Familie Armut vorspielen.

Der Film greift die tief sitzenden Probleme im heutigen indischen Bildungswesen auf und die Hoffnungen und Enttäuschungen, die das Bildungsgesetz gebracht hat. Es ist 2010 in Kraft getreten und führt die Schulpflicht ein; damit geht es auch gezielt gegen die immer noch erschreckend verbreitete Kinderarbeit vor. Es garantiert allen Kindern zwischen sechs und vierzehn Jahren einen kostenlosen Schulbesuch und macht Bildung in Indien zu einem Grundrecht. An den Grundschulen soll ein Lehrer höchstens 30 Schüler unterrichten, an den weiterführenden Schulen höchstens 35. Die Schulen sollen zudem ihre Bauten verbessern – etwa ein Pausengelände haben – und wo nötig für Hörhilfen und Lehrbücher in Braille-Schrift sorgen. Einrichtungen, die diese Standards nicht einhalten, droht die Schließung.

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erschienen in Ausgabe 2 / 2019: Jugend und Bildung

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