Unruhen überschatten Beisetzung von äthiopischem Politsänger

Der Tod des politischen Sängers Hachalu Hundessa heizt die Spannungen zwischen den Oromo und Minderheitsethnien in Äthiopien an. Bei gewaltsamen Ausschreitungen sind bisher mehr als 80 Menschen ums Leben gekommen.

Gewaltsame Unruhen haben am Donnerstag die Beisetzung des politischen Sängers Hachalu Hundessa in Äthiopien überschattet. Bewaffnete Oromo-Milizen streiften durch die Hauptstadt Addis Abeba und griffen Angehörige anderer Ethnien an, wie der amharische Dienst des britischen Senders BBC berichtete. Nach Angaben der Polizei kamen seit Beginn der Gewalt am Dienstag mehr als 80 Menschen ums Leben.

Die Polizei nahm zahlreiche Oppositionelle fest. Unter ihnen ist der BBC zufolge auch der bekannte Aktivist Eskinder Nega, den Ministerpräsident Abiy Ahmed erst im vergangenen Jahr aus der politischen Haft entlassen hatte. Auch Jawar Mohammed, der den wichtigsten Oromo-Fernsehsender betreibt, sitzt in Haft.

Soundtrack der Oromo-Proteste

Die Ermordung Hachalu Hundessas am Montagabend hatte Tausende Oromo im Protest auf die Straßen getrieben. Seine Songs gelten als "Soundtrack" der Oromo-Proteste, die 2018 zum Sturz der Regierung von Ministerpräsident Hailemariam Desalegn und der Amtsübernahme durch Abiy geführt hatten. Obwohl Abiy selbst Oromo ist, werfen ihm die Angehörigen der größten Ethnie im Vielvölkerstaat seit Monaten Benachteiligung vor. Militante Gruppen kämpfen für eine Unabhängigkeit der Region, die die Hauptstadt Addis Abeba umringt.

Bei einer öffentlichen Gedenkfeier für Hundessa im Stadion von dessen Heimatstadt Ambo rief Ministerpräsident Abiy die Bevölkerung auf, zusammenzustehen. Wer immer den Sänger ermordet habe, wolle die Öffnung des Landes verhindern und Äthiopien spalten. Hundessas Vater wies Vorwürfe zurück, die Regierung habe etwas mit dem Tod seines Sohnes zu tun. Der Präsident der Oromia-Region, Shimelis Abdissa, kündigte an, ein Denkmal für den Sänger in der Hauptstadt Addis Abeba errichten zu wollen.
 

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