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Sozialakademie vor dem Umbau

Die Katholische Sozialakademie (KSOE) soll binnen eines Jahres saniert und „inhaltlich neu ausgerichtet werden“, wie die Bischofskonferenz Anfang Juli bekanntgab. Der Direktorin Magdalena Holztrattner wurde ein Unternehmensberater als Sanierer zur Seite gestellt. In Österreichs progressiv-katholischen Kreisen herrscht helle Aufregung. 

Im Umfeld der Akademie fürchtet man, dass die vor 61 Jahren von der Bischofskonferenz gegründete sozialethische Denkfabrik nicht bloß wirtschaftlich saniert, sondern auch inhaltlich an die Kandare genommen werden soll. Die KSOE, die lange Zeit unter dem Einfluss des Jesuitenordens stand, hat sich in den vergangenen Jahren für ein alternatives Wirtschaftssystem stark gemacht und insbesondere für ein bedingungsloses Grundeinkommen lobbyiert. Ihr wichtigstes wirtschaftliches Standbein waren zuletzt die Erwachsenenbildung und Unternehmensberatung. 

Der Corona- Lockdown hat die Institution hart getroffen und sie musste bei der Bischofskonferenz um Unterstützung vorstellig werden. Es ist kein Geheimnis, dass die Positionen der KSOE manchem Bischof zu links sind. Veronika Pernsteiner, eine ehemalige Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, stellte deshalb auf Facebook die sorgenvolle Frage, welche Kräfte in der Bischofskonferenz wirkten, „dass eine fundierte Einrichtung der katholischen Kirche Österreichs mit einer professionell und hoch qualifizierten Direktorin so zurecht gestutzt wird“. Die Bildungsarbeit der Akademie diene dazu, „das Evangelium ins Heute zu übersetzen“. Deshalb sei es umso fragwürdiger, wenn die Bischofskonferenz „das niedersparen will“.

Das Kuratorium der KSOE zeigte sich in einer Presseaussendung kooperationsbereit. Doch machte es seine Position klar, dass der „Relaunch“ das Ziel verfolgen müsse, „Menschen und Organisationen zu unterstützen, die den gesellschaftlichen Wandel hin zu einem ,guten Leben für alle‘ aktiv mitgestalten“. Doris Helmberger-Fleckl, Chefredakteurin der katholischen Wochenzeitung „Die Furche“, mahnte: „So etwas hat oft nicht gut geendet. Man darf hoffen, dass die katholische Kirche durch diesen überraschenden Schritt der Bischöfe nicht um ihren zentralen sozial­politischen Thinktank gebracht wird.“

Angesichts solcher Befürchtungen zeigte sich Kardinal Christoph Schönborn in einem Interview mit der Kirchenzeitung um Beruhigung bemüht, was ihm aber höchstens zum Teil gelungen sein dürfte: „Die ersten Jahre hatte die KSOE noch eine klare Identität. Das ist schwieriger geworden, weil die Zeit sich geändert hat.“ Heute sei die Caritas „die am meisten gehörte Sprecherin in sozialen Anliegen der Kirche“, so Schönborn. Es gehe jetzt darum, „dass sich die KSOE wirklich neu aufstellen muss, auch aus wirtschaftlichen Gründen“.
 

erschienen in Ausgabe 9 / 2020: Die wahre Macht im Staat?

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