Niger
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Wer bei Waffenkäufen abzockt

Mit Zuschüssen aus dem Ausland hat der Niger in den vergangenen Jahren seine Armee aufgerüstet. Eine Recherche zeigt, wie sich Geschäftsleute im Niger und in Russland und der Ukraine dabei bereichert haben.

Der Niger, eines der ärmsten Länder der Welt, hat von 2011 bis 2019 für rund eine Milliarde US-Dollar Waffen gekauft. Fast ein Viertel haben laut einem Bericht des Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) die USA bezahlt, weitere Zuschüsse kamen aus der Europäischen Union und Frankreich.

Aber ein beträchtlicher Teil der Milliarde hat nicht die Schlagkraft der nigrischen Armee verstärkt, die unter anderem aus Nachbarstaaten stammende Terroristen bekämpft, sondern er hat Gauner reich gemacht: Fast ein Drittel des Geldes ist in überteuerte und mit Korruption verbundene Geschäfte geflossen. Das geht aus einem Bericht des Rechnungshofes im Niger hervor, den das OCCRP für seine Recherche auswerten konnte.

Demnach haben sich im Niger zwei Geschäftsleute bereichert, die persönliche Verbindungen zum Netzwerk des Staatspräsidenten hatten. Sie fädelten Waffenkäufe aus China, Russland und der Ukraine ein und täuschten dabei einen Anbieterwettbewerb vor: Von ihnen selbst kontrollierte Briefkastenfirmen in Großbritannien, der Ukraine und Tschechien gaben Scheinangebote ab, sodass das einzige echte und stark überteuerte Angebot zum Zug kam. Die Zahlungen wurden über dubiose Finanzinstitute abgewickelt, unter anderem in London, und ein Teil an die Nigrer umgeleitet. Einer von ihnen konnte sogar staatliche Endverbleibszertifikate ausstellen und hat nicht nur den Käufer – den Staat Niger – vertreten, sondern über eine Scheinfirma gleichzeitig den russischen Verkäufer.

Geld aus den Rüstungsdeals in Deutschland gewaschen

Sie waren aber nicht die einzigen Nutznießer. In einige Geschäfte waren Schmiergeldzahlungen für russische oder ukrainische Lieferanten eingepreist; die russische Firma hat das Geld dann teilweise in Deutschland gewaschen. Ein Teil des unterschlagenen Geldes wird bei Dienstleistern gelandet sein, die in der Ukraine, Russland, Tschechien oder London Scheinfirmen gründen helfen oder Zahlungen „diskret“ abwickeln. Einer der beiden Nigrer hatte im Übrigen persönliche Beziehungen zum inzwischen gestürzten ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch und hat sich in Prag mehrere Wohnungen gekauft.

Dieser Bericht wirft ein Schlaglicht darauf, wie solche Geschäfte funktionieren. Er bestätigt erneut, dass der Waffenhandel besonders anfällig für Korruption ist, dass die Täter im Süden stets Helfer im Norden haben und dass beide von der Justiz nicht viel zu fürchten haben.

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