Indigene in der Corona-Krise
Verwandte trauern um Chief Messias Kokama aus Manaus, der im Mai an Covid-19 gestorben ist. Viele ­Indigene fürchten, dass mit dem Tod ihrer ­Ältesten traditionelles Wissen verloren geht.  
Indigene in der Corona-Krise

Kliniken am Amazonas

Die brasilianische Regierung hat kaum etwas getan, um Indigene vor Covid-19 zu schützen. Eine Hilfsorganisation, Ärzte und Indigenen-Vertreter sind gemeinsam in die Bresche gesprungen.

Als im brasilianischen São Paulo die ersten Corona-Fälle nachgewiesen wurden, waren die Indigenen-Vertreter und die Ärzte, die für die indigenen Gesundheitsbezirke im Amazonas zuständig sind, alarmiert. Wenn nichts getan würde, wäre es nur eine Frage der Zeit, bevor sie inmitten eines Alptraums erwachten: Dann müssten sie entscheiden, welcher Patient unter den Ureinwohnern eine Behandlung bekäme und welcher nicht, denn die Dörfer der Indigenen seien in medizinischer Hinsicht allenfalls für leichte Fälle gerüstet, und große Menschengruppen könnte man wegen der Entfernungen und der fehlenden Flugzeuge für den Krankentransport nicht in die Kliniken der großen Städte bringen.

Als die brasilianische Bundesregierung nicht reagierte, errichteten Indigenen-Vertreter und Ärzte Barrikaden, um die weiße Bevölkerung daran zu hindern, in indigene Bereiche vorzudringen. Schotterstraßen wurden abgeriegelt und Fähren stillgelegt. Die 305 ethnischen Gruppen Brasiliens sind einem besonderen Risiko ausgesetzt, weil sie anfälliger für Viren und Infektionskrankheiten sind, vor allem im Bereich der Atemwege. Auch könnte ihre Lebensweise, die mit großer körperlicher Nähe einhergeht, Ansteckungen beschleunigen.

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erschienen in Ausgabe 10 / 2020: Idealismus und Karriere

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